Bergamotten

Auf diesem Bild sind zwei der feinsten Sorten Zitrusgewächse zu sehen. Die Bergamotte und die Meyer-Zitrone. Während die eine ziemlich hart und grün daherkommt, ist die andere fruchtig und saftig. Gemeinsam vereinen sie alles, was ich an Frische so mag. Aber fangen wir etwas früher an: Vor ein paar Tagen entdeckte ich im Münchner Biomarkt mit dem beknacktesten Namen der Welt – VollCorner – diese Meyer-Zitronen. Sie sind eine Mischung aus Zitrone und Mandarine, schmecken zwar sauer, zugleich aber viel fruchtiger und, naja, vollmundiger als alles was man sonst für eine Zitrone hält. Da kommen höchstens noch die selbstgezogenen kleinen Schrumpelzitronen meiner Freundin Karla ran, die sie am Gardasee in ihrem Garten erntet und die mich regelmäßig in Glücksmomente versetzen.

Als ob das noch nicht genug ist, entdeckte ich wenige Tage später auch noch die ersten Bergamotten. Von dieser Frucht kann ich gar nicht genug schwärmen, denn ihre Vielseitigkeit und ihr unvergleichliches Aroma gehen weit über das hinaus, was man vom üblichen Earl-Grey-Tee kennt. Kein Wunder, dass die Öle der Bergamotte der Legende nach früher in psychiatrischen Anstalten eingesetzt wurden um die Stimmung depressiver Patienten zu bessern. Bei jedem Einkauf muss ich erstmal die Schale mit dem Fingernagel anritzen und kurz daran riechen. Was dann passiert, ist unbeschreiblich. Sommer, Sonne, Meer, Italien und all meine liebsten Parfumsorten bauen sich gleichzeitig in meiner Nase oder wahlweise auch vor meinem Auge auf und ich wünsche mir, dieser Duft würde niemals wieder verfliegen. Das ist natürlich ein großer Wunsch. Ein bisschen kann man sich ihm aber nähern, indem man die Früchte ausführlich verarbeitet.

Dafür gibt es diverse Möglichkeiten, besonders natürlich die klassische Marmelade. Da ich aber, als ausgesprochener Limonaden-Fan, den Sommer lieber trinke und weil mir bei ungefähr 20 Grad im November passend zum Wetter gerade mehr nach einem kühlen Drink ist, entschließe ich mich für Sirup. Auch, weil mir damit das Aroma noch viel länger erhalten bleibt.

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Ich koche also einen halben Liter Saft von Bergamotten und Meyer-Zitronen kurz auf und lasse ihn dann – zusammen mit den dünn abgezogenen Schalen der Früchte – eine gute Stunde stehen. Dann wird er mehrfach gesiebt und mit mindestens der gleichen Menge Zucker nochmal aufgekocht. Noch eine Prise Salz dazu, etwas Zitronensäure und ab in sterilisierte Flaschen. Der Sirup ist sehr sauer und durch die Schalen auch ein wenig bitter (was ich sehr mag). Und er hat einen Geschmack, dem keine Zitronenlimonade nahe kommt. Einen Schluck davon mit etwas Wasser und/oder Tonic aufgießen und bei diesem Wetter nachmittags auf der Terrasse trinken und man könnte glatt vergessen, dass in ein paar Wochen schon wieder Weihnachten ist. Hoffentlich geht das ewig so weiter.

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Die übrig gebliebenen, ausgekochten Schalen habe ich übrigens getrocknet und könnte sie jetzt als eine bessere Zitronat-Alternative benutzen. Falls sie bis zum ersten Weihnachtsgebäck überleben. Das ist sehr unwahrscheinlich.

Und die Küche riecht immer noch nach Zitrone.

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