Hans Gerlach

In dieser Rubrik bitten wir in regelmäßiger Folge Menschen mit gutem Geschmack unseren Fragebogen auszufüllen.

Wer findet, dass das Leben zu kurz ist, um all seinen Leidenschaften nachzugehen, sollte öfter an Hans Gerlach denken. Den meisten ist Gerlach wahrscheinlich bekannt von seinen Rezepten für das SZ-Magazin, die er nicht nur selbst kocht, sondern auch selbst fotografiert. Lässt schon mal auf einen vielseitig talentierten Typen schließen. Liest man sich dann aber Gerlachs Werdegang durch, fragt man sich: Wie alt ist der Mann bei all den Sachen die er schon gemacht hat im Leben? 103?

Zuerst die Kochlehre, anschließend in allen Positionen bis zum Küchenchef in Sterneküchen zwischen Sylt, Mailand (Gualtiero Marchesi!), Sizilien, Australien gearbeitet. Dann ein Architekturstudium mit Diplom abgeschlossen, Reisereportagen für Magazine wie Merian, Stern, Gault Millaut geschrieben und Kochbücher verfasst, einige davon preisgekrönt.

Mittlerweile verdient er seinen Lebensunterhalt vor allem als Foodfotograf und Autor, dafür unterhält er mit seinem Partner Christopher Tech eine eigene Testküche samt Fotostudio in München-Sendling.

Das Foto, das er uns samt ausgefülltem Fragebogen von sich geschickt hat, beweist eindeutig: Er ist nicht 103. Er ist sehr, sehr viel jünger. Und damit der beste Beweis dafür, dass in so ein Leben ganz schön viel reinpasst, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt. Zum Beispiel jeden Tag ein doppeltes Frühstück. Inklusive selbstgemachtem Joghurt.

Frühstück an einem ganz normalen Wochentag: Was gibt es?

Haferflocken, selbstgemachter Joghurt, Früchte, Griechischer Bergtee – und etwas später: Eine Butterbreze, Cappuccino.

Ein Gericht, für das du berühmt bist?

Schwierige Frage – jedes größere Projekt oder Buch hinterlässt ein, zwei tolle Gerichte fürs Repertoire. Vielleicht das Roggenschrot-Sauerteig-Kastenbrot mit Chiasamen? Die vietnamesische Nudelsuppe? Der Quittensaft? Vielleicht die homemade Bratwürste z.b. Gambagriller.

Welche Regeln gelten in deiner Küche?

Wenige Regeln. Neugier macht Spaß. Archetypische Techniken interessieren mich besonders – wie eben Sauerteig, selber Wursten, die Obsternte verarbeiten – und darüber versuche ich immer mehr zu lernen.

Das letzte interessante Produkt, das du für dich entdeckt hast und optional zwei weitere auf die du in deiner Küche schwörst?

Cardi – als Gemüse vom Markt. Die bayerischen Bressehühner vom Krötz-Schorsch. Das Eis von Stefano de Giglio gibt es in München am Gärtnerplatz aber auch schon in einigen Bioläden.


Wenn du auswärts isst: Woran erkennst du ein gutes Restaurant?

Wenn es wirklich freundlich, lebendig und liebevoll gestaltet aussieht, ist das Essen selten völlig daneben – andersherum gilt das aber nicht, in anspruchslosem Ambiente kann es trotzdem gut schmecken. Am besten sind immer noch gute Tipps von Freunden.

Bitte eine Restaurant-/Bar- oder anderweitige Empfehlung zur Einkehr in Italien:

Das perfekte Strandrestaurant: Al Cartello in Ansedonia – ich kenne es allerdings nur im Winter. Aber auch da ist es gut besucht, sehr angenehmes Essen, enspannte Athmosphäre, grandioser Strand für Spaziergänge.

Firenze: Cibreo für die kulinarische Geschichte. Und La Menagère als anregendes Beispiel für ein modernes italienisches Restaurant-Konzept, hier wird nicht gekocht wie bei der nonna, sondern irgendwo schon auf der Basis von nonnas cucina, aber frisch und knackig und mit neuen Ideen.

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