Pizzateig

Pizzateig für Geduldige

Um Pizzateig ranken sich viele Mysterien. Dabei ist er eines der simpelsten Dinge, die man in der Küche so produzieren kann. Hier steht, wie man es am besten angeht, wenn man ein paar Tage Zeit hat, den Teig gehen zu lassen.

Von Juri Gottschall

Hefeteig – insbesondere Pizzateig – gehört zu den Dingen, um die sich in der Küche die größten Mysterien ranken. Es gibt ja auch so viele Fragen zu diesem Klassiker: Wie lange muss er gehen? Wie viel von was muss da rein? Welches Mehl ist das beste? Und vor allem: geht er auf?

Nicht erst seitdem ich einen kleinen Holzofen besitze, merke ich aber: Es gibt eigentlich wenige Rezepte, die so unkompliziert sind und die – ein bisschen Sorgfalt vorausgesetzt – so zuverlässig gelingen wie der Pizzateig.

 

Es gibt eigentlich wenige Rezepte, die so unkompliziert sind und die – ein bisschen Sorgfalt vorausgesetzt – so zuverlässig gelingen wie der Pizzateig

 

Ich unterscheide meine Pizzateig-Varianten in 1. die für Geduldige und 2. die für Sofort-Hungrige. Um erstere soll es in diesem Beitrag gehen. Sie ist die schönere, klassischere und auch schmackhaftere Version. Sie macht keinen größeren Aufwand als ihre eilige Schwester. Sie braucht nur mehr: Zeit.

Gemeinsam haben alle Hefeteige, dass sie es gern warm mögen. Zumindest zu Beginn. Denn die Hefe ist ein lebender Organismus und möchte auch dementsprechend behandelt werden. In wichtigen Dingen verhält sie sich geradezu menschlich: Sie wird aktiv, sobald sie es warm hat und etwas zu Essen bekommt. Dann beginnt sie die Kohlenhydrate im Mehl zu verdauen und produziert Gase. Diese lassen den Teig aufgehen und locker werden. Wird ihr allerdings zu heiß, verweigert sie die Arbeit. Nebenbei riecht sie gut. Soweit die Theorie.

 

Wichtigste zwei Zutaten: Zeit – und später im Ofen dann große Hitze

 

Für den klassischen Pizzateig, wie ihn unzählige Pizzabäcker in Italien und auch hierzulande tagtäglich benutzen, benötigen wir nur sehr wenig: Mehl, Hefe, Wasser, Salz und Zeit.

 

Pizzateig

Der erste Schritt

 

Pizzateig

 

Wir beginnen damit, das Mehl mit dem Salz zu vermischen. Ich benutze – auch klassisch – 400 Gramm italienisches Weizenmehl (siehe unsere kleine Produktkunde weiter unten), das es auch in Deutschland oft als Pizzamehl zu kaufen gibt. In etwas lauwarmem Wasser löse ich unter Rühren ca. fünf Gramm Frischhefe auf. Diese Flüssigkeit gebe ich zum Mehl und beginne damit, alles zu vermengen. Nach und nach gebe ich nun immer mehr lauwarmes Wasser hinzu, bis eine weiche, elastische Masse entsteht.

 

Hefeteig

 

Sollte sich der Teig noch zu feucht und klebrig anfühlen, darf man nicht der Versuchung erliegen, einfach mehr Mehl zu benutzen. Man sollte lieber kräftig kneten. Ich überlasse diese Arbeit gerne zum Großteil meiner Küchenmaschine, lasse es mir aber nicht nehmen, zum Schluss noch ein bisschen Handarbeit zu verrichten. Oft mache ich allerdings – je nach Tagesform – auch den ganzen Teig mit der Hand. Durch diesen Prozess lässt das Eiweiß im Weizen, das Gluten, lange Fasern entstehen, die unseren Teig später luftig und feinporig machen. Wenn man den Teig weit auseinander zieht, sollten sich jetzt transparente Stellen bilden. Sind sie noch nicht sichtbar, muss weitergeknetet werden. Dieser sogenannte Fenstertest zeigt, ob der Knetprozess ausreichend war. Im besten Fall ist der Teig jetzt ganz glatt und glänzend. Nun braucht er vor allem Ruhe.

 

Der Teig braucht Ruhe

 

Die bekommt er in einer Schüssel, die mit einem Deckel dicht geschlossen wird, damit der Pizzateig nicht austrocknet. An einem warmen Ort darf die Hefe nun erstmal ein paar Stunden arbeiten.

 

Hefeteig

 

Nach dieser Zeit (zwei bis vier Stunden) hat sich das Volumen des Teigs verdoppelt und die Schüssel schon fast gefüllt. Er ist nun ganz weich und luftig und hat schon die Anmutung von frisch gebackenem Brot. Er riecht fein säuerlich und intensiv nach Hefe.

 

Pizzateig

Kaltes Reifen

 

Nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir den Fermentationsprozess verlangsamt weitertreiben. Dazu stellen wir den Teig in den Kühlschrank, wo die Hefe zwar langsamer arbeitet, sich aber kontinuierlich weiter im Pizzateig entwickelt. Im englischen Sprachraum spricht man vom cold-proofing, dem kalten Reifen. Würde man nun alle 24 Stunden einen Teil des Teigs entnehmen und daraus eine Pizza backen, sähe man, wie sich die Konsistenz immer mehr verändert. Der Teig wird lockerer, schlägt mehr Blasen, wird leichter. Auch sein Geschmack verbessert sich ständig. Auf dieser Website hat the pizza lab einmal getestet und dokumentiert, wie sich die Qualität des Teigs nach langer Gehzeit verändert. Die Ergebnisse sind beeindruckend deutlich.

 

Länger ist nicht besser

 

Trotzdem sollte man nicht denken, dass länger automatisch immer besser bedeutet. Denn irgendwann hat die Hefe so viel Säure produziert, dass der Geschmack des Teigs leidet. Die immer größere Menge Alkohol, die sich im Teig ansammelt, sorgt dann sogar dafür, dass die Hefe ihre Arbeit komplett einstellt. Auch hier zeigen sich wieder Parallelen zu menschlichem Verhalten.

 

Wie lange sollte man den Pizzateig also im Kühlschrank gehen lassen? The pizza lab beantwortet diese Frage mit „zwischen drei und fünf Tagen“. Davor ist der Teig noch verbesserungsfähig, danach nicht mehr optimal.

Vor dem Backen sollte der Teig dann wieder auf Zimmertemperatur gebracht werden. Am besten in pizzagroße Stücke unterteilt zwei Stunden lang ruhend unter einem feuchten Tuch.

Möchte man also in – sagen wir – drei oder fünf Tagen Pizza essen, muss man einiges beachten. Rechtzeitig anfangen zu kneten und am Tage des Geschehens früh genug den Kühlschrank leeren. Dann aber wird man mit einem leichten Teig belohnt, der den Vergleich mit vielen Pizzerien nicht scheuen muss.

 

Produktkunde

Kleine Produktkunde: Pizzateig

 

Um Pizzateig ranken sich Mythen und Legenden, die bei der Verwendung des richtigen Mehls anfangen, und beim Philosophieren über den Einsatz von Hefe, Sauerteig, Temperatur, Gehzeit und sogar die richtige Wasserqualität nicht aufhören. Tatsache ist: Es gibt erschreckend viel schlechte Pizza und die Unterschiede sind, gerade für ein solch vermeintlich einfaches Lebensmittel, wirklich riesig. Tatsache ist aber auch: Es gibt sehr viele Restaurants, Imbisse und Bäckereien, die sehr ansehnliche bis sehr gute Pizza backen ohne das Pizzabacken zu einer riesigen Wissenschaft zu machen. So schwierig kann es also auch wieder nicht sein.

In Italien gibt es die schöne Tradition, dass fast jeder halbwegs große Supermarkt täglich frischen Pizzateig zubereitet und verkauft. So kann man sich auch spontan entscheiden zuhause Pizza zu backen und muss nicht 24 Stunden vorher schon das Abendessen für den nächsten Tag planen. Denn was jeder richtig gute Pizzateig unbedingt und zwingend braucht, ist: Zeit.

Normalerweise empfehlen wir an dieser Stelle Produkte, die man sich im Onlineshop unseres Partners Viani bestellen kann. Hier ist das ein wenig anders. Denn Viani hat seit einiger Zeit in vielen deutschen Städten Läden, in denen man nicht nur großartige Lebensmittel aus vorbildlicher Herkunft für den täglichen Bedarf einkaufen kann. Es gibt dort auch täglich frisch gemachten Pizzateig zu kaufen, der, genauso wie beim italienischen Vorbild, vor Ort zubereitet und gereift wird. Man bekommt ihn in schönen Mehrweggläsern und kann ihn sofort benutzen.

Donnerstags ist bei Viani immer „Pizza Day“ und es gibt den frischen Pizzateig mit 50% Rabatt für jeden. Es ist dafür kein Gutschein, keine Anmeldung oder Reservierung notwendig und jeder kann einfach vorbeikommen und den Teig einmal ausprobieren.

Er besteht aus Mehl, Olivenöl und – sehr italienisch – einer Mischung aus Lievito Madre und Hefe, so wie ihn seit einiger Zeit auch viele moderne Pizzerien von Mailand bis Kalabrien zubereiten.

 

 


Für unsere kleine Produktkunde arbeiten wir mit ausgewählten Händlern zusammen, die hochwertige Lebensmittel aus nachvollziehbarer Herkunft zu fairen Bedingungen versenden. Alle Empfehlungen sprechen wir aus tiefster Überzeugung und echtem Interesse aus. Trotzdem sind wir verpflichtet, diese Rubrik als Werbung zu kennzeichnen, was wir hiermit tun. Hier gibt es weitere Informationen zu unseren Bezugsquellen.