Artischocken für jeden Tag

Artischocken sind in meiner Küche eine der wichtigsten Zutaten. Ich esse sie eigentlich ständig. Denn ganz abgesehen davon, dass sie zu den schmackhaftesten Gemüsesorten überhaupt gehören, sind sie außerordentlich vielseitig einsetzbar, überdurchschnittlich gesund (selbst die seriöseste Apotheke verkauft Medikamente, die auf der Basis von Artischocken hergestellt sind) und es gibt sie fast das ganz Jahr über in bester Qualität. Besonders schön sind sie im Frühling und Herbst. Aber auch im Winter und sogar im heißesten Sommer lassen sich gute Exemplare finden.

Seit einiger Zeit kaufe ich einmal die Woche eine Kiste Artischocken und verbringe dann eine Stunde damit, sie vorzubereiten und zu kochen. Die Artischocken für jeden Tag behalte ich ihm Kühlschrank und zehre die ganze Woche davon. Diese Arbeit möchte ich gerne weiterempfehlen und teilen, denn sie ist wunderschön, ökonomisch sinnvoll und erleichtert einem außerdem für viele Tage die Arbeit in der Küche.

Zwanzig Artischocken für eine ganze Woche

So gehe ich vor:

Ich kaufe meist italienische Artischocken beim Großhändler. Die kommen häufig aus Süditalien, im Herbst und Winter aus Apulien, oft auch aus Sardinien. Zwischendurch gibt es auch immer die berühmten Petit Violets  aus der Bretagne, die ein bisschen kleiner und nicht ganz so aromatisch, aber trotzdem absolut empfehlenswert sind. In einer Kiste befinden sich im Schnitt 20 Stück. Am besten kauft man sie mit viel Stiel dran, dann sind sie meistens noch frischer und außerdem kann man die Stiele gleich mit verarbeiten.

Zuhause schneide ich die Stiele ein paar Zentimeter unter den Köpfen ab, entferne die äußeren Blätter soweit bis nur noch die hellen, zarten inneren übrig bleiben und schäle dann mit dem Messer möglichst dünn alles herunter, was noch dunkelgrün und hart ist, inklusive der Stiele. Dann werden sie geviertelt und einen Topf mit Wasser und Zitronensaft gegeben. Zitronensaft deshalb, weil sie sonst an der Luft sofort schwarz würden. Sollte sich im Innern schon Heu befinden (was bei jungen Artischocken selten ist), muss man das nicht ganz wegschneiden, genauso wenig wie die innersten zarten Blätter. Die werden beim Kochen so weich, dass man sie später nicht mehr spürt.

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Das Wasser im Topf gieße ich mit Weißwein auf, gebe noch etwas Zitrone hinzu, außerdem Salz und Pfeffer und einen großen Strauß Minzblätter, die ich vorher von ihren Stielen entfernt habe. Dann noch zwei oder drei halbierte Knoblauchzehen und Lorbeerblätter. Jetzt wird alles aufgekocht und ungefähr zwanzig Minuten geköchelt, bis die Artischocken gerade noch etwas Biss haben.

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Die beste Brühe für Risotto

Den Sud gieße ich ab (man sollte ihn unbedingt aufheben!) und lagere die Artischocken abgedeckt im Kühlschrank. Dort halten sie sich einige Tage, wenn man sie nicht vorher ohnehin schon aufgegessen hat.

Verwenden lassen sich die Artischocken für alle Rezepte, in denen man sie ohnehin gekocht hätte.  Zum Beispiel für Pasta mit Artischocken, eine Artischockenlasagne, die Carbonara mit Artischocken. Neulich habe mit dem übrig gebliebenen Sud ein Risotto gekocht und zum Schluss noch ein paar Artischocken dazugegeben. Ich möchte behaupten, dass es das beste Artischockenrisotto meines Lebens war. Auch eine Artischocken-Focaccia (einfach Hefeteig mit viel Öl und Artischocken backen) ist ein perfektes Abendessen. Oder man legt sie sich einfach aufs Brot oder in den Salat.

Die Möglichkeiten sind unendlich

Die Möglichkeiten sind unendlich und ich kann nur jedem empfehlen, regelmäßig Artischocken im Kühlschrank zu haben. Es ist ein wunderbares Gefühl, zu wissen, dass man etwas geplant vorbereitet hat und mehrere Tage davon essen kann. Es stärkt die Beziehung zum Produkt, es ist ein schöner Prozess in der Küche auf Vorrat zu arbeiten und es spart hinterher eine Menge Zeit. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass der Genuss dieses Gemüses das Leben auf die angenehmste Weise verlängert.

Und wer zum Schluss noch nicht genug hat, kann die übrigen Blätter und Stängel noch in Wasser auskochen und daraus eine wunderbare, leicht bittere Brühe machen. Oder sie mit Zucker zu einem Sirup verarbeiten, wie wir es hier schon einmal erklärt haben.

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