Kürbissuppe, differently

Was für den Frühling der Spargel, ist für den Herbst der Kürbis. Nämlich eines der wenigen Lebensmittel, die trotz der immer größeren, ständigen Verfügbarkeit klar einer Jahreszeit zugeordnet werden können. Weil das zwar schön für Natur und Esser, aber nicht ganz so schön für Industrie und Verkäufer ist, ereilt die gelbe Herbstfrucht leider auch immer häufiger ein ganz ähnliches Schicksal wie ihre Leidensgenossen im Frühjahr: „Die Saison muss man ausnutzen“ hört man da den geschäftstüchtigen Vermarkter nämlich förmlich denken und schon werden uns uns so viele Kürbissuppen und Kürbisbrote und Kürbiskuchen um die Ohren gehauen, dass wir uns schon fast wieder nach dem ersten Bärlauchpesto (auch der ist so ein Betroffener der Saisonhysterie) sehnen.

Besonders bei der Kürbissuppe scheint ein seltsamer Konsens zu herrschen, sobald der Sommer vorbei ist. Egal ob im Wirtshaus, der WG-Küche, der Kantine oder dem Restaurant, die Pflicht der Kürbissuppe gibt es überall. Dabei ist die Kürbissuppe, man kann es leider nicht anders sagen, wirklich eines der langweiligsten, unkreativsten und am häufigsten schlecht gekochten Gerichte überhaupt. Übertroffen wird sie in ihrer Ödnis höchstens noch von ihrer vermeintlichen Veredelung mit Sahne (um dann Kürbis-creme-Suppe zu heißen) oder – noch schlimmer – in ihrer scheinbar raffinierten Variante mit wahlweise Ingwer, Karotten, Currypulver oder allem zusammen. Anscheinend denkt man, dass alles, was gelb ist, gut zusammenpassen müsste, wenn man am besten noch goldener Oktober draufschreibt. Puh.

Dabei ist der Kürbis eigentlich ein tolles Gemüse. Es gibt ihn in zig verschiedenen Erscheinungsformen und sein Geschmack ist – wenn man ihn richtig zubereitet – spannend und abwechslungsreich. Zudem ist er günstig, nahrhaft und nahezu ewig haltbar. Man denke nur an Tortelli di zucca, den norditalienischen Klassiker, den es zwischen Oktober und Weihnachten in der ganzen Po-Ebene in fast jedem Dorf in einer anderen Variante gibt. Fährt man in dieser Zeit durch die Gegend um Mantova, kann man sich vor Kürbissen gar nicht retten, so stolz ist man hier auf den Zucca Mantovana, die Frucht mit der harten grünen Schale und dem leuchtend orangefarbenen Fleisch.

Was macht man also nun, wenn das Wetter herbstlich wird und das frierende Herz leise Suppe ruft? Zum Beispiel diese Variante aus Kürbis, Bohnen und Schwarzkohl, dem toskanischen Cavolo Nero. Den gibt es auch bei uns immer häufiger, beispielsweise ziemlich verlässlich in Basic-Bioläden oder auf dem Markt. Die Suppe selbst ist von einer Cremesuppe so weit wie nur möglich entfernt und lässt sich noch am ehesten irgendwo zwischen Ribollita und Minestrone einstufen. Wobei ihr für die eine das Brot und für die andere die Suppenhaftigkeit fehlt.

In einem großen Topf dünste ich zunächst kleingeschnittene Zwiebeln, Knoblauch, Rosmarin und Salbeiblätter in Öl an und gebe dann nach einigen Minuten in Würfel geschnittene Kartoffeln und Kürbis dazu. Kräftig pfeffern und salzen, dann wird mit guter, möglichst selbstgemachter Brühe aufgegossen. In einem zweiten Topf koche ich Bohnen in Salzwasser weich. Ich habe die wahrscheinlich letzten frischen Borlotti-Bohnen des Jahres benutzt, aus der Dose sind sie aber oft genauso gut. Dann spart man sich das Kochen. Die Bohnen püriere ich mit dem Mixstab leicht an, sodass ein Brei entsteht und nur noch vereinzelt ganze Bohnen sichtbar bleiben.

Nach ungefähr zehn Minuten gebe ich die kleingeschnittenen Schwarzkohlblätter und das Bohnenpürree zu Kürbis und Kartoffeln. Wer will, kann auch noch durch Nudeln ergänzen. Die sollten aber – wie bei einer Minestrone – in einem separaten Topf gekocht werden. Ganz im Gegensatz zu Pastasoßen würde uns die Stärke des Kochwassers sonst die Konsistenz der Suppe verderben.

Nach weiteren zehn Minuten gebe ich nochmal frischen Salbei dazu (Salbei ist bei diesem Gericht wirklich wichtig!), schmecke ab und gebe Gemüse und Sud auf den Teller. Noch ein paar Nudeln dazu und reichlich gutes Olivenöl drüber und schon wähne ich mich in einem mittelalterlichen Steinhaus auf einem toskanischen Hügel, wo der Wind durch die Fugen pfeift und draußen langsam die Sonne hinter abgeernteten Olivenhainen untergeht. Der Kamin brennt, das Weißbrot wird am Feuer geröstet und die ganze Bauernfamilie probiert das erste, frisch gepresste Olivenöl der Saison, bevor alle früh zu Bett gehen um am nächsten Morgen wieder zur Trüffelernte aufzubrechen… ach, eigentlich will ich nur sagen: Aller Ingwer-Creme-Suppenfrust ist vergessen.

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