Minestrone

Eigentlich mag ich keine Suppen. Ich finde sie langweilig, dünn, zu flüssig. Wenn es irgendwo Suppen gibt, denke ich mir meistens: Schöner Kürbis/Spargel/Karotte – aber wieso musste man ihn nur zu einer Suppe pürieren? Suppen nehmen Gemüse viel von ihrem Charakter. Sie egalisieren Konsistenz, Farben, Unterschiede. Zu keinem Gericht passt der Begriff  Einheitsbrei so gut wie zur Suppe.

Aber natürlich gibt es Ausnahmen, wie zum Beispiel die klassischste aller italienischen Suppenvarianten schlechthin: Die Minestrone. Denn sie (im Italienischen ist sie übrigens männlich und zumindest im wörtlichen Sinne sozusagen die große Version der Suppe) spart all die unangenehmen Suppeneigenschaften aus. Hier darf das Gemüse ganz bleiben, hier gibt es keine Creme und Sahne und püriert wird auch nichts. Stattdessen besinnt sie sich auf die Stärken der eingesetzten Zutaten und vor allem: auf eine richtig gute Brühe.

Ich koche gern Minestrone, wenn ich viel Zeit habe, aber eigentlich gar nicht kochen will. Denn sie kocht sich eigentlich von selbst. Man muss ihr nur ein bisschen dabei helfen.

Zunächst bereite ich eine Brühe zu. Dafür halbiere ich eine Zwiebel, zerteile grob ein paar Knoblauchzehen, etwas Sellerie, Karotte, Rübengemüse, brate alles kräftig in Olivenöl an und gebe dann viel Wasser dazu. Dann noch Petersilie (hier vor allem die Stängel), Lorbeer, ein paar Mangoldblätter und -Stiele und was man eben sonst noch so in der Küche findet. Ich koche auch immer noch ein oder zwei Tomaten mit oder gebe ein kleines Stück Fenchel dazu. Wobei man bei allzu charakteristischen Gemüsesorten ein bisschen vorsichtig sein muss, dass man später keine Fenchelsuppe hat.

Das Ganze darf jetzt zugedeckt mindestens eine, besser zwei oder mehr Stunden vor sich hin köcheln. Das ist allein schon wegen des Dufts eine wahre Freude. Später wird dann abgeschmeckt, nachgewürzt und die Brühe durch ein Sieb in einen anderen Topf abgegossen. Das Gemüse ist zu diesem Zeitpunkt total verkocht und zerfallen, es hat seinen Dienst getan und kann entsorgt werden. Der ganze Geschmack ist jetzt in der reinen Brühe.

Nun schneide ich frisches Gemüse, zum Beispiel Karotten, Zucchini, Kartoffeln in etwas kleinere Stücke und köchle sie in der Brühe weich. Sehr gut eignen sich auch Bohnen und Kohlsorten.

Die Möglichkeiten der Minestrone sind unendlich, jede italienische Region hat ihr eigenes Rezept. In manchen Gegenden gibt man Brot dazu, woanders Pesto oder auch nur Parmesan. Und natürlich immer die regionalen Gemüsesorten. Ich mag sie mit Nudeln, Schwarzkohl, Bohnen und zum Schluss etwas frischem Pesto Genovese. Die Nudeln, bevorzugt kurze Suppennudeln vom Typ Ditalini oder Puntine, koche ich separat, damit ihre Stärke nicht die ganze Suppe trübt. Dann wird alles vermischt, noch mit Olivenöl ergänzt und serviert. Ein Gericht, von dem man nicht genug bekommen kann. Wahrscheinlich, weil es eben so viel mehr ist als nur eine Suppe.

 

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