Sacro e profano

 

Es schneit in Deutschland, der Winter ist da und mit ihm das Bedürfnis nach inwendig wärmendem, deftigem Essen. Was man aber nicht vergessen darf: Nicht überall frieren Mensch und Gemüse derzeit von morgens bis abends, rutschen auf der Straße aus und verfluchen ihre nassen Winterschuhe.

Seit ein paar Wochen werden zum Beispiel in Sardinien schon Artischocken geerntet, und zwar sowohl die stacheligen carciofi spinosi als auch die jungen Miniaturexemplare. Sie sind nur wenige Zentimeter groß, dafür aber auch umso schneller zubereitet. Man kann sie fast im Ganzen essen, so zart sind sie.

Wer sie beim Gemüsehändler sichtet, sollte also zuschlagen. Im Gegensatz zu ihren fast ganzjährig erhältlichen großen Geschwistern, gibt es die Baby-Bimby-Carciofi nämlich nur für kurze Zeit. In Italien, wo ich sie gekauft habe, werden sie jetzt kistenweise angeboten. Man kauft sie nach Gewicht, am besten gleich mehrere Handvoll. Aber auch in München habe ich vor ein paar Tagen schon die ersten Exemplare gesehen.

Klassischerweise befreit man sie nur von ihren äußersten Blättern und kocht sie dann mit Knoblauch, Petersilie oder Minze entweder in Agrodolce oder in Olivenöl ein. Man lässt sie ein paar Wochen durchziehen und hat dann perfekte Antipasti. Auch auf der Pizza oder Focaccia sind kleine Artischocken aus dem Glas ein Klassiker.

Möchte man sie frisch zubereiten und mal auf Pasta verzichten, ist das folgende kleine Rezept mit Kartoffeln eine wahre Freude. Denn Artischocken und Kartoffeln verstehen sich ausgezeichnet. Vorausgesetzt man findet Kartoffeln, die geschmacklich genauso intensiv sind wie ihre kleinen Artischockenpartner.

Ich schäle Kartoffeln und bereite die Artischocken so vor, dass ich eigentlich nur die äußersten, harten Blätter entferne und sie dann oben und unten knapp gerade abschneide. Die Kartoffeln teile ich in ungefähr artischockengroße Stücke und brate beide Gemüse zusammen in Olivenöl an. Ich schwenke sie alle paar Minuten durch bis sie etwas Farbe bekommen haben und gebe dann (nicht zu wenig) kleingeschnittenen Knoblauch dazu. Dieser sollte nicht braun werden, deshalb bewege ich die Pfanne jetzt ständig und gebe nach wenigen Minuten etwas Wasser dazu. Dann Deckel drauf und nach ein paar Minuten ist das Gemüse auch schon perfekt gar. Kräftig pfeffern, salzen und etwas kleingeschnittene Petersilie dazu. Zum Schluss lasse ich noch ein paar Flocken Butter im Gemüse schmelzen und reibe großzügig würzigen Pecorino oder alten Parmesan darüber. Wer möchte, kann das Ganze auch ein paar Minuten unter dem Grill gratinieren.

Dann auf den Teller damit. Und wer jetzt an Bratkartoffeln mit Speck und Zwiebeln, an warme Kachelöfen in der Stube einer verschneiten Almhütte denken muss, liegt nicht ganz falsch. Die angerösteten Kartoffeln wecken tatsächlich Assoziationen einer deftigen Hüttenküche. Nur ist dieses Gericht eben so viel eleganter. Die Artischocken machen es zum ersten Frühlingsboten im Winterfrust, sie sind sozusagen das Grün im Grau, gewissermaßen das mediterrane Heilige im winterlich Profanen.

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