Spaghetti mille erbe

Der Einkauf eines bestimmten Produkts ist ja immer mit einem sehr speziellen Gefühl verbunden. Fleisch kaufen löst in mir zum Beispiel jedes Mal einen minimalen Ekel gepaart mit großer Ehrfurcht aus, zugleich fühle ich mich dabei irgendwie mächtig und erwachsen. Obst kaufen ist harmlos und mild erheiternd, der Apfel ist dabei noch der sportliche Minimalist, spätestens beim Kauf einer Ananas komme ich mir so albern vor, als ginge ich im Bananenrock auf die Straße.

Aber worauf ich eigentlich hinauswollte, Kräuter. Beziehungsweise korrekt: Kräuter und Gewürzpflanzen. Vor einem Kräuterregal stehen übt einen magischen Sog auf mich aus, als könnte ich, wenn ich zu nah ran ginge, in eine Art magischen Wald eintreten, wo alles nur noch smaragdgrün schimmernde Parallelwelt ist, würzige Nebelschwaden und Halluzination. Kräuter kaufen und verarbeiten macht mich jedenfalls immer ganz euphorisch.

Die übervolle Kräuter-Auslage des Gemüsehändlers meines Vertrauens hat mich neulich dazu bewegt, sie direkt und sehr pur in ein Nudelgericht zu transformieren. Es geht schnell und einfach, ist sehr leicht und man kann es warm essen oder im Sommer kalt im Stile von Soba-Nudeln.

Man kann außerdem die Auswahl und Komposition der Kräuter natürlich ziemlich frei zusammensetzen, – ich habe zum Beispiel auf Rosmarin verzichtet, weil ich nicht wollte, das es die anderen zarten Aromen überdeckt. Man kann auch mit den Zutaten der Frankfurter Grünen Soße spielen und noch Borretsch, Pimpinelle hinzufügen. Wer Zeit hat, macht sich wie ich frische Chitarra-Nudeln, denn mit frischen Nudeln schmeckt bekanntlich alles noch ein bisschen besser.

So geht es in diesem Fall: Zitronenthymian, Zitronenmelisse, Estragon, Kerbel, Kresse, Sauerampfer, Minze und sehr, sehr fein hacken und samt einem winzigem bisschen Zitronenabrieb in eine erste Schüssel geben. Basilikum, Petersilie, Schnittlauch sehr, sehr fein hacken und in eine zweite Schüssel geben. Nudeln in gut gesalzenem Wasser kochen. In der Pfanne Butter und Nudelwasser zu einer Emulsion verrühren und die gehackten Kräuter aus der ersten Schüssel hineingeben und in der Emulsion auf niedriger Flamme ziehen lassen wie in einem Tee. Nudeln dazu geben, Kräuter aus der zweiten Schüssel unterrühren (sie sollen nicht zu heiß werden, das Basilikum wird dann fad und bitter, der Schnittlauch büßt seine Schärfe ein und die Petersilie mag ich auch am liebsten ganz frisch), schwenken. Auf dem Teller anrichten, ein winziges bisschen frischen jungen Parmesan darüber reiben oder etwas Ricotta salata oder Primo sale.

Alternativ kann man aus den Kräutern, dem Parmesan und gerösteten Pinienkernen unter Beigabe von etwas Salz und eines Eiswürfels (damit das Basilikum nicht bitter und braun wird) auch ein Pesto mischen. Macht alles etwas deftiger und nussiger, aber nicht minder aromatisch.

 

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