Torta della nonna

Von 100 Rezepten auf dieser Seite sind gerade einmal fünf Süßspeisen. Vielleicht liegt es daran, dass man sich beim Backen so penibel an Grammangaben halten muss, was dem in der Splendido-Küche vorherrschenden Prinzip der künstlerischen Freiheit widerspricht.

Und doch wird auch bei uns alle paar Monate mal etwas gebacken. Nicht selten ist es die Torta della nonna. Stellt man sie bei einer Party auf den Kuchentisch, ist sie meist als allererstes weg. Gegen sie können viele andere Kuchen auf direktem Wege nach Hause gehen.

Mit ihrem Mürbeteig, der crema pasticcera-Füllung und den goldbraun gebackenen Pinienkernen obendrauf ist die Torta della nonna außerdem das Sinnbild der Pasticcieria, jener so verstaubt wie zeitlosen, völlig jenseits jeder großstädtischen Moderne rangierenden Kreuzung aus Bar, Konditorei und Oma-Café mit livrierten Kellnern und damit ein Ort, wie er nur in Italien noch ernsthaft zur urbanen Alltagskultur gehört. Glutenfree-Fanatikern und anderen Quinoa-Avocado-Bananabread-Jüngern das nackte Grauen, allen anderen eine willkommene, gern mehrmals täglich in Anspruch genommene Pause vom Weltgeschehen. Eine ehrliche Angelegenheit.

Zur Tat: Zuerst aus 300 Gramm Mehl, 150 Gramm kalter, gewürfelter Butter, 150 Gramm Zucker, einem ganzem Ei und einer Prise Salz auf der Arbeitsfläche mit den Händen oder in der Küchenmaschine mit dem Rührgerät einen Mürbeteig zusammenkneten. In Klarsichtfolie wickeln und für 30 Minuten in den Kühlschrank legen.

Jetzt für die Crema 400 ml Milch, die Schale einer Zitrone (ohne den weißen, bitteren Teil) und das Mark einer Vanilleschote in einem Topf vorsichtig erhitzen und ziehen lassen, sie soll nicht kochen. In einer Schüssel 4 Eigelbe mit 100 Gramm Zucker kräftig verrühren. Dann 40 Gramm Mehl unterrühren, bis eine gleichmäßige Masse entstanden ist. Jetzt die Eimasse vorsichtig in die warme, auf keinen Fall kochende, aromatisierte Milch einrühren, bis wieder eine glatte Masse entstanden ist und unter vorsichtigem Erhitzen geduldig um die 10 Minuten weiterrühren, bis sie zu einer puddinghaften Konsistenz eingedickt ist. Vom Herd nehmen und beiseite stellen.

Teig aus dem Kühlschrank nehmen, in zwei Hälften schneiden. Beide Hälften ausrollen. Kuchenform fetten, mit einer Teigschicht auslegen. Die Crema hineinfüllen, dann vorsichtig die zweite Teigschicht darauf legen und an den Rändern festdrücken und die überstehenden Teigreste abnehmen. Pinienkerne (je mehr, desto besser) für eine Minute in eine Schale kalten Wassers geben, so verbrennen sie gleich im Ofen nicht so schnell. Mit der Gabel die Oberfläche des Teigdeckels leicht einstechen, dann die Pinienkerne aus dem Wasser nehmen, nicht allzu sehr abtropfen lassen, feucht auf der Torta verstreuen  und für etwa 45 Minuten in den auf 160 Grad vorgeheizten Ofen geben, bis die Pinienkerne goldbraun gebacken sind.

Abkühlen lassen und kurz vor dem Servieren mit Puderzucker bestreuen.

PS: Die Torta kann auch ohne Deckel, also ohne die zweite Teigschicht, offen gebacken werden. Dafür die Pinienkerne einfach direkt auf der Crema verstreuen und dann in den Ofen geben. Und wer den Mürbeteig weniger kekshaft und stattdessen höher und kuchenhaft wünscht, gibt ihm noch eine Messerspitze Backpulver hinzu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.