Traubensalat

Jetzt, wo der Sommer im Lande ist und die Mittagszeit so warm ist, dass das Mittagessen selbst lieber kühl sein sollte, ist es Zeit für Salat. Und zwar nicht nur für Salat im Sinne von grünen Blättern mit Essig und Öl (wobei natürlich auch die eine große Freude sein können), sondern besonders für Salate mit all den Früchten, die einem derzeit in den Gemüseladen so prall und bunt und wohlriechend wie zu keiner anderen Zeit im Jahr begegnen.

Vor ein paar Tagen haben wir bereits Pfirsiche und Tomaten zu einem Salat verarbeitet. Noch einen Salat von diesem Kaliber kann man sich mit Weintrauben zubereiten. Genauer gesagt: Mit Weintrauben, Rucola, Büffelmozzarella und einem Rosmarin-Zitronen-Condimento.

Die Zubereitung ist schnell erklärt, aber man sollte sich doch ein wenig Mühe geben: Zunächst braucht man Weintrauben. Natürlich gute Weintrauben, die schön süß und gleichzeitig frisch säuerlich schmecken. Meine Trauben kamen aus Sizilien, sowohl rote als auch grüne.

Es ist ratsam sich für eine kernlose Züchtung zu entscheiden, wenn man nicht vor dem Essen stundenlang Kerne entfernen oder während des Essens dauernd auf Kerne beißen möchte. Tatsächlich sind trockenbittere Kerne in Weintrauben wahrscheinlich das einzige, das einem die Freude an diesem Salat nehmen könnte.

Dann geht es los: In einem kleinen Topf erwärme ich zunächst etwas Olivenöl, drehe die Flamme wieder ab und gebe einen Rosmarinzweig und eine halbierte Knoblauchzehe dazu und lasse es mindestens eine halbe Stunde zum Ziehen stehen. Das Öl sollte auf keinen Fall so heiß werden, dass sich sein Geschmack verändert, sondern nur leicht warm sein, damit es das Aroma des Rosmarins schneller annimmt.

Der Grund dafür ist einfach: Ich möchte den Geschmack des Rosmarins, aber ich kann es nicht leiden, wenn man beim Essen ständig auf kleine Nadeln oder Nadelstücke beißt. Also darf der Rosmarin seinen Geschmack abgeben und sich dann so wie er gekommen ist, wieder verziehen. Genauso wie übrigens auch der Knoblauch, von dem auf diese Weise wirklich nur ein Aromenhauch vorhanden ist, der sich nicht aufdrängt, sondern zart und diskret im Hintergrund das Gesamtbild verbessert.

Nachdem das Öl also gut durchgezogen und abgekühlt und die Geschmacksgeber entfernt worden sind, presse ich eine Zitrone aus und gebe den Saft dazu. Schön umrühren, sodass eine glatte Emulsion entsteht. Jetzt eventuell noch etwas Zucker dazu, wobei das je nach der Süße der Trauben gar nicht unbedingt nötig ist.

Dann Trauben halbiert auf einem Teller anrichten, etwas Büffelmozzarella darüber zupfen und das Condimento großzügig über allem verteilen. Natürlich sollte der Salat jetzt noch etwas durchziehen, denn keiner seiner Bestandteile sollte nach Möglichkeit kalt sein. Zimmertemperatur ist hier das richtige Wort.

Von meinem ersten Versuch dieses Salates war ich übrigens schon gut begeistert, aber doch noch ein wenig unzufrieden mit der geschmacklichen Ausbeute. Also habe ich beim zweiten Teller einfach ein paar Blätter sehr würzigen Rucolas hinzugegeben.

Es ist erstaunlich wie sehr dieser Salat das Gericht noch verbessert hat. Denn jetzt bekommen die Süße der Trauben, die Säure der Zitrone, das Erdige des Rosmarins und die Frische des Mozzarellas noch das, was sie bisher vermisst haben: Würze!

So ist es perfekt und so sollte es eigentlich immer sein beim Essen: Dass jede kleine Zutat einen Zweck erfüllt und keine zu wenig, aber auch keine zu stark präsent ist. Eine wunderbare Vorspeise.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.