Der Käse

Ich hatte viele Jahre einen guten Freund, der aus dem Allgäu kam. Und zwar nicht aus dem schwäbischen Allgäu, sondern aus dem bayerischen Teil, der sich zwischen Bodensee und österreichischen Alpen befindet und der sicherlich zu einer der fruchtbarsten und schönsten Regionen Deutschlands zählt. Damals waren wir oft dort. Auf Bauernhöfen, in alten Hütten. Und immer gab es vor allem eins: Käse. Egal ob auf Spätzle, in Aufläufen oder einfach aufs Brot. In jedem Dorf gab es mindestens einen Käseladen, der irgendeine Spezialität aus den Produkten der Kühe und Ziegen anbot, die rundherum auf den grünen Wiesen lebten. Mein Freund ist irgendwann ganz ins Allgäu gezogen und wir sahen uns nicht mehr so oft. Was geblieben ist, ist aber die Erinnerung an einen ganz besonderen Ziegenkäse, den ich seit bestimmt 15 Jahren nicht vergessen kann.

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Als ich gestern auf dem Weg nach München auf der Autobahn das Schild nach Wangen sah, packte mich die Erinnerung wieder. Und diesmal gab ich ihr nach, fuhr über Wiesen und durch Wälder. Kaufte frische Misteln am Straßenrand und versuchte mich an den Weg zu jenem Hof zu erinnern, den ich seit Jahren nicht mehr besucht hatte.

Ich bog in Waldwege und kehrte wieder um, ich versuchte mich an Wiesen und Täler und Kurven zu erinnern und irgendwo, in einer Senke zwischen Bäumen und ohne irgendeinen Hinweis oder womöglich ein Schild, fand ich ihn tatsächlich. Diesen kleinen Hof, mit ein paar Ziegen, der in einem kleinen Schuppen die feinsten Ziegenkäse herstellt, die problemlos auch ihren Weg in jeden französischen Feinkostladen finden könnten.

ziege_0002Das tun sie aber nicht. Denn egal ob mit Kräutern, Knoblauch oder Senf – diese Käse gibt es nur hier. Und auf ein paar kleinen Märkten in der Umgebung. Das ist einerseits natürlich schade, weil man die guten Dinge gern immer hätte. Andererseits auch wunderbar, weil sie nur so wirklich besonders bleiben. Also kaufte ich die kleinen, etwas reiferen Frischkäse und dazu ein paar Gläser von dem unglaublich frischen Ziegenkäse in Öl im Glas. Der ist nicht nur wunderschön, er vereint auch sämtliche Kräuter der umliegenden Wiesen in bestem Olivenöl. Der Käse selbst hält sich fast schon zurück, er ergänzt und unterstützt die übrigen Zutaten nur dezent. So frisch und leicht und unaufdringlich ist er. Jetzt kommt dieses Kunstwerk die nächsten Tage zuhause aufs Brot und beim nächsten Mal finde ich den Weg sofort. Denn jetzt kann ich (und ihr!) den ja hier immer nachlesen, weil der Ziegenhof der Familie Kaack inzwischen natürlich sogar eine Website hat.

 

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