Acquacotta

Acquacotta

Geht immer, belastet nie: Eine schnelle und einfache Gemüsesuppe aus frischem Saisongemüse auf einer Scheibe altem Brot. Noch ein Ei reinschlagen, fertig ist die Acquacotta.

Von Mercedes Lauenstein

Gekochtes Wasser, so lautet übersetzt der überaus bescheidene Name für ein köstliches Gericht aus der Toskana, dem weder die Beschreibung „Suppe“, „Brotsuppe“, noch „Brot“ gerecht wird. Genau genommen ist die Acquacotta ein etwas suppiges Brot mit gekochtem Gemüse und Ei. Man begießt eine alte, geröstete Brotscheibe mit einer Kelle frischer Gemüsesuppe und fügt zur Steigerung des Genusses oft noch ein wachsweich pochiertes Ei dazu.

Diese bäuerliche Köstlichkeit ist schnell gemacht. Sie verlässt sich traditionell auf das Gemüse, das gerade Saison hat. Im Sommer sind das zum Beispiel wilde Kräuter, essbares Unkraut, junger Mangold, Zucchini, Löwenzahn, etwas Spinat, ein paar frische Sommertomaten, grüne Bohnen, Knoblauch. Mal findet noch eine gewürfelte Kartoffel ihren Weg in die Brühe, mal etwas ausgelöster frischer Fisch oder eben ein Ei. Eine Besonderheit: Nichts davon wird vorher in Olivenöl angebraten, alles gart allein im kochenden Wasser. Die Aromen der Acquacotta sind süß, pur, zart und unverfälscht.

 

Die Acquacotta ist keineswegs nur gekochtes Wasser, sondern ein etwas suppiges Brot mit gekochtem Gemüse und Ei

 

Und so geht’s: Das Gemüse waschen, sorgfältig von Sand befreien und in mundgerechte Stücke schneiden. Alles in einen Topf transferieren und mit gerade soviel Wasser bedecken bis es zu schwimmen beginnt. Salzen und zum Kochen bringen. Dann die Hitze runterschalten und simmern lassen, bis das Gemüse zart ist. Wer sein Gemüse jeweils perfekt bissfest mag, gibt natürlich Acht, die unterschiedlichen Sorten in der Reihenfolge ihrer Garzeit in den Topf zu geben – das Gemüse mit der längsten Garzeit zuerst. Da man Gemüse in Italien aber gern auch mal absichtlich lange gart beziehungsweise mitunter lustvoll zerkocht, ist dieser Schritt nicht unbedingt nötig. Die Acquacotta profitiert davon, sie so rustikal wie möglich zuzubereiten. Eine beinahe cremige Konsistenz ist später erwünscht.

Zwei, drei Minuten ehe man beabsichtigt, die Gemüsesuppe von der Kochstelle zu nehmen und zu servieren, das Ei am Topfrand aufschlagen und sein Inneres in die Brühe gleiten lassen. Wenn mehrere Leute mitessen, entsprechend viele Eier verwenden.

 

Das Gemüse muss nicht bissfest, sondern darf sogar gern etwas zerkocht sein

Nun anrichten und servieren: In jede Schüssel eine Brotscheibe legen und eine Kelle Suppe mit reichlich Gemüse auf das Brot geben. Außerdem pro Portion ein Ei darauf anrichten. Am Boden der Schale sollte sich dabei kaum Suppe sammeln, die Flüssigkeit sollte lediglich das Brot durchtränken, so dass man es gut mit dem Löffel essen kann. Mit großzügig frischem Olivenöl beträufeln und genießen.