Artischocken

Diese Artischocken habe ich aufgrund ihres Geruchs gekauft. Ich stand im Spina vor ihnen und hätte mich am liebsten zu ihnen in ihre Kiste gelegt, so wahnsinnig dufteten die. Nicht so, wie man sich das jetzt vorstellt, also: nicht nur klassisch nach Artischocke, nein, sondern geradezu nach Butter, nach brutzelnder Butter in der Pfanne, in der dazu auch noch Nüsse angebraten werden. Und nach frischem Kraut, das mit den Wurzeln noch im Feld steckt, nach feuchter Erde und nach Kräutersträuchern in der Ferne, deren Duft der Wind rüberträgt. Wahnsinn. Ich glaube, ich habe den ganzen Weg nach Hause nicht die Nase aus der Tüte genommen, in der ich sie dann nach Hause transportiert habe. Zuhause war der Kühlschrank zu klein für all das Strunkenzeug, also habe ich nur die Köpfe abgeschnitten und in den Kühlschrank gelegt. Die Stiele, die in Geschmack und Konsistenz der Karde sehr nahe kommen (kein Wunder, sie sind ja auch Schwestern), habe ich gleich geschält und bissfest gekocht und später einen kleinen Nachmittagssnack mit karamellisierten Tomaten und Belper Knolle daraus angerichtet.

Die übrigen Blätter wollte ich zuerst wegwerfen. Aber ich konnte einfach nicht. Dieser Duft! Also habe ich sie ausgekocht und ihren extrem bitteren, aber unglaublich aromatischen Sud mit Zitrone und Zucker zu einem Sirup gekocht, aus dem ich mir im Moment ständig bittere Getränke zubereite, die ich bis auf Weiteres jedem Tonic Water vorziehe. Warum gibt es bitte noch keine junge, hippe Limofirma, die eine Artischockenlimonade auf den Markt gebracht hat? Oder soll ich das schnell in die Hand nehmen, bevor mir jemand zuvorkommt?

Artischockensirup

Was aus den Köpfchen meiner Artischocken wird, weiß ich noch nicht. Dass mich aber schon die “Resteverwertung” dieses Gemüses dermaßen umhaut, überzeugt mich einmal mehr davon, dass Artischocken, von denen man ja traurigerweise oft genug einzig das Herz verwendet und den Rest wegwirft, eine der vielfältigsten Gemüse überhaupt sind.

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