Blumenkohl mit Dill und Kapern

Das erste Gericht, das ich mit Blumenkohl kannte, war Blumenkohl mit in Butter gebratenen Semmelbröseln. Der Blumenkohl wurde im Ganzen gekocht und die Semmelbröselbuttersauce obendrauf gegossen. Ich hab als Kind immer versucht, so wenig Blumenkohl und so viel Semmelbröselsauce wie möglich zu bekommen. Blumenkohl fand ich eins der fadesten Gemüse der Welt, irgendwas daran schmeckte nach Tod und Altersheim, fand ich. Das änderte sich an dem Tag, an dem ich ein Kind kennenlernte, das den Blumenkohl aus dem Kühlschrank heraus roh aß. Ich probierte und merkte, dass genau das das Geheimnis ist: Den Blumenkohl nie zu gar zu kochen, sondern immer nur so leicht anzudünsten, dass er knackig und dieses leicht scharfe Aroma seines Rohzustands erhalten bleibt. Und schon verwandeln sich Tod und Altersheim ins frische, helle Leben.

Am liebsten mag ich ihn als eine Art Carpaccio, wobei Carpaccio natürlich nicht ganz die richtige Bezeichnung ist, weil ich den Blumenkohl ja nicht komplett roh lasse. Ich dünste ihn so, dass er bissfest bleibt, schneide seine Röschen so dünn es geht auf, Olivenöl darüber, ein paar Kapern, Parmesan, etwas Salz, etwas Pfeffer und Dill, fertig. Dill klingt übrigens deshalb so unitalienisch, weil man ihn in Italien, wenn überhaupt, nur im Norden, vor allem in Südtirol und an der norditalienischen Ostküste isst. Wobei es ja, wenn ich meinen Recherchen trauen darf, angeblich im alten Rom auch ein Pesto mit Dill gegeben haben soll, das man traditionellerweise zu Spanferkel aß. Dill, Datteln, Kümmel, Honig, Senf, Oregano und Pinienkerne sollen da dringewesen sein. Könnte man sich mal notieren. Schön ist jedenfalls, finde ich, dass Dill in Italien neben agneto den schönen Namen finocchio bastardo trägt, Bastardfenchel.

Am besten isst sich dieses Blumenkohl-Carpaccio mit Dill und Kapern auf jeden Fall im warmen Gras. Und wer wie ich grad eine Flasche kalten Sancerre im Kühlschrank hat, sollte die dringend dazu öffnen.

Statt Parmesan kann man übrigens auch ein wenig Roquefort oder Gorgonzola nehmen, denn Blumenkohl mit Blauschimmelkäse ist eine Wahnsinnskombination. Na gut, in diesem Salat bringt der Parmesan das feine Aroma von Dill und Kapern besser zur Geltung. Aber falls man diesen Sommer zum Beispiel mal zum Grillen eingeladen werden sollte: kurz angedünsteten Blumenkohl mit Roquefort in Alufolie auf das Rost legen.

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