Blumenkohl Dill

Blumenkohl mit Dill und Kapern

Am besten isst sich dieser Blumenkohl-Salat mit Dill und Kapern im warmen Gras. Und wer eine Flasche kalten Sancerre im Kühlschrank hat, die er dazu öffnen kann, muss sich für ein paar Minuten über wirklich gar nichts mehr Gedanken machen.

Von Mercedes Lauenstein

Das erste Gericht, das ich mit Blumenkohl kannte, war Blumenkohl mit in Butter gebratenen Semmelbröseln. Der Blumenkohl wurde im Ganzen gekocht und die Semmelbröselbuttersauce darüber gegossen. Ich hab als Kind immer versucht, so wenig Blumenkohl und so viel Semmelbröselsauce wie möglich zu bekommen. Blumenkohl fand ich damals eins der fadesten Gemüse der Welt, irgendwas daran schmeckte für mich nach Tod und Altersheim.

Das änderte sich irgendwann. Ich glaube, es war der Tag, an dem ich ein Kind kennenlernte, das den Blumenkohl aus dem Kühlschrank heraus roh aß. Ich probierte und merkte, dass dies das Geheimnis ist: Den Blumenkohl nie zu gar zu kochen. Sondern immer nur so leicht anzudünsten, dass er knackig bleibt und das kohlscharfe Aroma seines Rohzustands erhalten bleibt. Schon verwandeln sich Tod und Altersheim ins frische, helle Leben.

 

Das Geheimnis ist: Den Blumenkohl nie völlig zu gar zu kochen, er muss knackig bleiben

 

Sehr gern mag ich Blumenkohl daher bis heute als eine Art Carpaccio. Wobei Carpaccio natürlich nicht ganz die richtige Bezeichnung ist, weder handelt es sich beim Blumenkohl um Fisch oder Fleisch, noch lasse ich ihn vollständig roh.

Ich dünste ihn lediglich so lang in einem Sieb über gut gesalzenem Wasser, dass er noch bissfest bleibt und schneide dann seine Röschen so dünn es geht auf.

Darüber kommt auf dem Teller bestes Olivenöl, ein paar in gutem Weißwein oder Wasser gewässerte Salzkapern, fein gehobelter Parmigiano Reggiano, etwas Pfeffer und etwas Dill, fertig.

 

Ein gutes Gericht für ein Sommerpicknick im warmen Gras

 

Dill? Klingt übrigens deshalb so unitalienisch, weil man ihn in Italien, wenn überhaupt, nur im Norden, vor allem in Südtirol und an der norditalienischen Ostküste isst. Wobei es, wenn ich meinen Recherchen trauen darf, angeblich im alten Rom auch ein Pesto mit Dill gegeben haben soll, das man traditionellerweise zu Spanferkel aß. Dill, Datteln, Kümmel, Honig, Senf, Oregano und Pinienkerne sollen in diesem Pesto gewesen sein. Könnte man sich mal für wann anders notieren. Schön ist jedenfalls, finde ich, dass herkömmlicher Dill in Italien neben agneto den schönen Namen finocchio bastardo trägt, Bastardfenchel.

Am besten isst sich dieses Blumenkohl-Carpaccio mit Dill und Kapern auf jeden Fall im warmen Gras. Und wer wie ich grad eine Flasche kalten Sancerre im Kühlschrank hat, sollte die dringend dazu öffnen.