Blumenkohlsuppe

Blumenkohl und Gorgonzola

Was macht man mit einem am Vortag gekochten Blumenkohl, der einem aus dem Kühlschrank vorwurfsvolle Blicke zuwirft? Man sucht ihm als allererstes einen Freund.

Es gibt Tage, da hat man einen bereits gekochten Blumenkohl übrig. Warum? Ich weiß es nicht. Ich sah diesen am Vortag gekochten und nun stumm und unterkühlt im Kühlschrank verharrenden Blumenkohl an und wusste: der ist zu gar für einen Salat. Zu gar, um ihn noch einmal aufzubraten. Einen Tomatensugo mit Blumenkohl und scharfem Olivenöl draus machen? Theoretisch gute Idee, denn das ist bestes Comfort-Food (wobei der Begriff natürlich Schwachsinn ist, jedes Essen hat gefälligst Comfort-Food zu sein, warum sollte irgendjemand irgendetwas essen, das uncomfortable schmeckt?), bloß gab es das neulich erst. Was nun?

Eigentlich blieb nur noch eine Art Brotaufstrich. Oder eine Suppe. Brotaufstrich war mir zu kalt. Suppe mag ich nicht. Kompliziert? Bin ich nicht. Es musste ja bloß eine Suppe her für Menschen, die keine Suppe mögen. Etwas, das mehr als Eintopf durchgeht. Etwas mit Biss, Textur, mit sogenanntem Crunch, mit unterschiedlichen Elementen, etwas Leben auf der Zunge. Mir fiel ein, wie gut Blumenkohl zu Blauschimmelkäse passt. Ich dachte an Gorgonzola piccante. An geröstetes, mit Knoblauch und Olivenöl eingeriebenes Weißbrot. An einen brutzelnden Soffritto. An einen kalten Weißwein, der das Glas beschlägt.

Ich machte mich an die Arbeit: Knoblauch, Stangensellerie, Zwiebel und Karotte kleinstgehackt, Olivenöl in Topf erhitzt. Soffritto-Gemüse darin kurz angebraten, bis Zwiebel und Knoblauch goldgelb waren. Gegarten Blumenkohl grob gehackt, dazugeworfen. Ein Lorbeerblatt auch noch mit rein. Pfeffer. Salz. Mit Wasser abgelöscht. Nicht allzu lang eingekocht, dann mit dem Mixstab einmal hineingefahren und absichtlich nachlässig zu einem sämigen, aber noch leicht stückigen – jetzt kommen wir wieder in die Bredouille fehlenden eleganten Vokabulars für die gemeinte Konsistenz – Brei vermixt. Etwas Parmesan als Geschmacksverstärker hineingerieben, mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt. Sehr gut.

Weißbrot in nicht zu kleine Würfel geschnitten. In einer Pfanne Butter geschmolzen und drei angedrückte Knoblauchzehen hineingegeben, ein paar Mal geschwenkt und so die Butter aromatisiert. Brotwürfel hinein und von allen Seiten behutsam goldbraun gebraten. Gorgonzola piccante ebenfalls in kleine Würfel geschnitten.

Von der Blumenkohl-, naja, wie nennen wir es denn nun? Pappa, Zuppa? Brei oder Pampe will doch keiner hören! Jedenfalls davon ein paar Kellen in einen tiefen Teller gegeben, den Gorgonzola darüber gestreut und die goldenen Brotwürfel. Und dann den schönsten Löffel aus der Schublade genommen und ausgelöffelt. Glas Wein dazu nicht vergessen. Und beschlagen muss das Glas, beschlagen!

M.