Rand der Tomatensoße

Der Rand der Tomatensoße

Bei diesem Rezept geht es weniger um die genauen Zutaten, als um ein Phänomen. Es nennt sich „Der Rand der Tomatensoße“, das rotweinfarbene Konzentrat am Rande der Pfanne. Für alle, die sich immer denken: Eigentlich müsste mal die ganze Tomatensoße schmecken wie ihr Rand.

Von Mercedes Lauenstein

Bei diesem Rezept geht es weniger um die genauen Zutaten, als um ein Phänomen. Es nennt sich „Der Rand der Tomatensoße“. Der Rand der Tomatensoße, das sind die fast tomatenmarkartigen, leicht karamellisierten Tomatensoßenstreifen, die sich während des Kochens am Rand der Pfanne festsetzen und das hochpotenzierte Aroma der Soße in sich tragen. Und die man nie öffentlich würdigt, weil sie eigentlich immer in der Pfanne bleiben. Ihren kurzen Moment des Ruhms erleben sie hinter den Kulissen, wenn sie einer nach dem Essen in der Küche mit dem Löffel aus der Pfanne kratzt und sich insgeheim denkt: Eigentlich ist das hier das Beste an der ganzen Soße. Eigentlich müsste mal die ganze Tomatensoße schmecken wie ihr Rand.

 

Die tomatenmarkartigen, leicht karamellisierten Tomatensoßenstreifen, die sich während des Kochens am Rand der Pfanne festsetzen und das hochpotenzierte Aroma der Soße in sich tragen

 

Und weil jeder weiß, was aus Leuten wird, die „Eigentlich müsste man mal…“ denken, aber nie ein „…und deshalb mach ich das jetzt mal“ folgen lassen*, präsentieren wir hier: Die Tomatensoße aus dem Rand der Tomatensoße.

Welche Tomatensoßenvariante (die Möglichkeiten sind unendlich) man als Basis zubereitet, ist Geschmackssache. Diese hier besteht aus nicht viel mehr als einer guten Tomatenpassata, (wir werden nicht dafür bezahlt, das zu sagen, aber wir benutzen eigentlich nur die von Petti), etwas Knoblauch, etwas Zwiebeln, alles feingehackt, kurz in Olivenöl angebraten, mit Passata abgelöscht und dann ewig ohne Deckel in der Pfanne eingekocht.

Den Rand der Tomatensoße immer wieder abschöpfen

Erst auf mittlerer Flamme, dann stundenlang auf niedriger. Und immer, wenn sich dieser fast schon rotweinfarben gewordene, sehr dunkle Rand der Tomatensoße am Rande der Pfanne absetzt, kratzt man ihn vorsichtig mit dem Löffel herunter. Gibt ihn in eine Schale und kocht den Rest der Soße erneut so lang, bis sich wieder ein Rand gebildet hat. Ist genug Rand in der Schale, ist wahrscheinlich kaum mehr Tomatensoße übrig. Wenn ja, die Reste der Tomatensoße in den Kühlschrank stellen und ein anderes Mal essen. Pfanne auf dem Herd stehenlassen.

Jetzt Nudeln kochen. Den gesammelten Soßenrand mit etwas Olivenöl angießen, zu einer sämigen Paste verarbeiten. Nudeln abgießen, Nudeln in die Pfanne geben, Tomatensoßenrandpaste dazugeben, alles vermischen, auf den Teller geben und das Gefühl genießen, jemand zu sein, der seine Ideen verwirklicht.

*Menschen, die nicht nur im Museum „Das kann ich auch!“ rufen.