Der Rand der Tomatensauce

Bei diesem Rezept geht es weniger um die genauen Zutaten, als um ein Phänomen. Es nennt sich „Der Rand der Tomatensauce“. Der Rand der Tomatensauce, das sind die fast tomatenmarkartigen, leicht karamellisierten Tomatensaucenüberbleibsel, die sich während des Kochens am Rand der Pfanne festsetzen und das hochpotenzierte Aroma der Sauce in sich tragen. Und die man nie öffentlich würdigt, weil sie eigentlich immer in der Pfanne bleiben. Ihren kurzen Moment des Ruhms erleben sie hinter den Kulissen, wenn sie einer nach dem Essen in der Küche mit dem Löffel aus der Pfanne kratzt und sich insgeheim denkt: Eigentlich ist das hier das Beste an der ganzen Sauce. Eigentlich müsste mal die ganze Tomatensauce schmecken wie ihr Rand.

Und weil jeder weiß, was aus Leuten wird, die „Eigentlich müsste man mal…“ denken, aber nie ein „…und deshalb mach ichs jetzt“ folgen lassen*, präsentieren wir hier: Die Tomatensauce aus dem Rand der Tomatensauce.

Welche Tomatensaucenvariante (die Möglichkeiten sind unendlich) man als Basis zubereitet, ist Geschmackssache. Diese hier besteht aus nicht viel mehr als einer guten Tomatenpassata, (wir werden nicht dafür bezahlt, das zu sagen, aber wir benutzen eigentlich nur die von Petti), etwas Knoblauch, etwas Zwiebeln, alles feingehackt, kurz in Olivenöl angebraten, mit Passata abgelöscht und dann ewig ohne Deckel in der Pfanne eingekocht. Erst auf mittlerer Flamme, dann stundenlang auf niedriger. Und immer, wenn sich dieser fast schon rotweinfarben gewordene, sehr dunkle Rand am Rande der Pfanne absetzt, vorsichtig mit dem Löffel herunterkratzen, in eine Schale geben und den Rest der Sauce erneut so lang kochen, bis sich wieder ein Rand gebildet hat. Ist genug Rand in der Schale, ist wahrscheinlich kaum mehr Tomatensauce übrig. Wenn ja, die Reste der Tomatensauce in den Kühlschrank stellen und ein anderes Mal essen. Pfanne auf dem Herd stehenlassen.

Jetzt Nudeln kochen. Den gesammelten Soßenrand mit etwas Olivenöl angießen, zu einer sämigen Paste verarbeiten. Nudeln abgießen, Nudeln in die Pfanne geben, Tomatensaucenrandpaste dazugeben, alles vermischen, auf den Teller geben und das Gefühl genießen, jemand zu sein, der seine Ideen verwirklicht.

*Menschen, die nicht nur im Museum beleidigt „Kann ich auch!“ rufen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.