Kaperncrudaiola

Kapern Crudiaola

Je heißer der Sommer, desto größer die Unlust zu kochen. Klar, wer will schon bei über 30 Grad in der noch wärmeren Küche stehen, wenn ihn schon beim bloßen Aufstehen und Kühlschranköffnen der Hitzschlag ereilt. Noch größer als die Kochunlust ist da nur der Hunger.

Der aufmerksame Splendido-Leser weiß Bescheid und denkt sich Crudaiola. Denn vor ungefähr einem Jahr zur ähnlich warmen Sommerzeit haben wir an dieser Stelle schon einmal von den Vorzügen roher Tomaten und gekochter Spaghetti geschwärmt.

Diese Schwärmerei bekommt nun ein Update, die Crudaiola 2.0 gewissermaßen. Und weil schlichter meistens besser ist und weil man ja nicht jeden Tag dasselbe essen will, besteht dieses Gericht sogar aus noch weniger Zutaten als das klassische Original. Schneller zubereitet ist es ebenfalls. Nichts wie schnell wieder raus aus der heißen Küche.

Ich schneide Tomaten (am besten eignen sich ganz kleine, sehr aromatische Exemplare, aber auch gute größere Sorten erfüllen diesen Zweck) in gleichmäßig kleine, feine Würfel. Dieses Gericht ist so fein wie seine Zutaten geschnitten sind. Außerdem schneide ich große, eingelegte Kapernfrüchte (man nennt sie wohl auch Kapernäpfel) in ungefähr gleich große Stücke. Auf zwei Drittel Tomaten kommt ungefähr ein Drittel Kapern.

Kapern sind ja so eine Sache. Im Supermarkt sind sie meistens in viel zu sauerem Weinessig eingelegt. Vermutlich soll dieses Extremaroma darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Industriekapern wenig Eigengeschmack haben. Wer gute Kapern hat, braucht nur wenig Zusätze. Ich kaufe meine Kapern bei den Gebrüdern Giacomini in Gargnano am Gardasee. Sie wachsen dort wild, bekommen sehr viel Sonne und sind geschmacklich mit nichts zu vergleichen, was sich hierzulande Kaper nennt. Die Giacominis legen ihre Kapern, Kapernfrüchte und sogar Kapernblätter in einem mildsüßen Sud aus Apfelessig ein, das unterstützt ihren feinen Geschmack und überdeckt ihn nicht. Aber natürlich gibt es auch in Deutschland gute Kapern, wenn man nur danach sucht. Erste Anlaufstellen sind Feinkostabteilungen großer Kaufhäuser oder kleine Spezialitätenläden. Man merkt es sofort, wenn man es mit Qualität zu tun hat. Sind die Kapern trotzdem zu sauer, kann man sie zur Not vor der Benutzung kurz unter Wasser abwaschen, grundsätzlich wollen wir den frischen, säuerlichen Geschmack aber auch in unserer Crudaiola haben.

Das Tomaten-Kapern-Gemisch kommt nun mit großzügig Olivenöl (auch hier produzieren die Giacominis ein ganz hervorragendes Produkt) in eine Schale. Pfeffern, Salzen, durchrühren und stehen lassen. Parallel koche ich Spaghetti, vermenge dann das kalte, rohe Gemüse mit den heißen Nudeln und richte alles auf dem Teller an.

Jetzt noch frisches Olivenöl darüber, etwas grob gemahlenen Pfeffer und fein geriebenen Parmesan. Habe ich hier eigentlich schon mal erwähnt, dass der falsche Mahlgrad selbst den besten Käse ruinieren kann? Parmesan muss dünn und fein sein. Wie Schnee muss er auf die Pasta herunter rieseln, sich zwischen einzelnen Spaghetti verfangen und langsam in die lauwarme Stärke-Öl-Mischung hineinschmelzen. Grob geschnittener Käse ist auf Käseplatten zuhause oder vielleicht noch in Form von Spänen auf dem Salat akzeptabel. Aber selbst diese sind besser, je dünner sie sind.

Am besten lässt man den Teller jetzt noch etwas abkühlen und isst das Gericht lauwarm oder sogar bei Zimmertemperatur. Reste lassen sich hervorragend im Kühlschrank aufbewahren und später direkt aus selbigem verspeisen.

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