Lob der Nachlässigkeit oder: Malfatti

Ich hege eine große Liebe für Dinge, die nachlässig aussehen, obwohl sie eigentlich sehr fein sind. Gute Frisuren, teure Bademäntel, Leinenbettwäsche.
Oder Malfatti. Übersetzt „Schlechtgemachte“. Einige sagen, Malfatti seien bloß Ravioli ohne Nudelteig drumherum. Stimmt so halb. Ich jedenfalls gebe kein Ei und auch kein Mehl in meine Nudelfüllung, in meine Malfatti aber schon.

Malfatti schmecken fantastisch, sind leicht, fast zu leicht, man kann sehr viele von ihnen essen und sie sind vor allem so wahnsinnig schnell gemacht.

Zwiebeln, Schalotten oder Tropea, fein hacken und in Butter anschmoren. Spinat waschen und zu den Zwiebeln in die Pfanne geben bis die Blätter in sich zusammenfallen. In ein Sieb geben und auskühlen lassen, dann fest mit beiden Händen die Flüssigkeit herausdrücken. Verwässerte Malfatti machen keine Freude.

Spinat grob hacken. Ich finde es gut, wenn aus den Nocken später noch die Blätter rausgucken, so sehen sie noch lässiger aus. Außerdem verstehe ich grundsätzlich nicht, wieso einige Menschen die glattseidige Konsistenz ganzer Blattspinatblättern freiwillig gegen babynahrungsklein gehäckselten Spinatmus eintauschen.

In einer Schüssel den Spinat mit Ricotta vermischen (falls er etwas wässrig wirkt, lieber noch einmal gründlich abtropfen lassen), Parmesan dazureiben oder für einen noch kräftigeren Geschmack Pecorino. Salzen, pfeffern, Muskatnuss und einen Hauch Zitronenschale drüber reiben, abschmecken. Ein Ei dazuschlagen und vermengen bis die Konsistenz allmählich den Anschein macht, zwischen beiden Händen zu kleinen Klößchen gerollt werden zu können.

Mehl auf einen Teller geben, Hände bemehlen. Etwas von der Spinatmasse aus der Schüssel nehmen und in der bemehlten Hand zu einem Klößchen rollen. Das Mehl muss die Klößchen hauchfein umgeben, so dass sie gut zusammenhalten. Die richtige Konsistenz prüft man einfach durchs Austesten: ein oder zwei Exemplare schon mal ins gesalzene Kochwasser geben, warten bis sie aufschwimmen und probieren.

Entweder auf dem Teller ganz pur mit Salbeibutter beträufeln, oder mit einem gut eingekochten simplen Tomatensugo servieren. Das war’s schon.

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