Pasta und Bohnen

Es war ein regnerischer und kalter Sonntag, der Herbst war zum ersten Mal spürbar und ich hatte Zeit.

Außerdem hatte ich mir eine ganze Menge sehr reifer Tomaten aus Italien mitgebracht und die warteten jetzt auf ihre Verarbeitung in Form einer perfekten Tomatensoße.

Ich habe sie in Stücke geschnitten, leicht gesalzen und erstmal im geschlossenen Topf eine gute halbe Stunde köcheln lassen. Den entstandenen Sud habe ich sodann durch die passatutto gegeben und schon hatte ich meine eigene, frische Passata.

Der Geschmack selbstgemachter Passata übertrifft selbst die besten Industrieprodukte um ein Vielfaches

Bei der Gelegenheit muss übrigens dringend mal gesagt werden, dass es sich wirklich dermaßen lohnt, sich seine Passata selbst zu machen. Der Geschmack übertrifft selbst die besten Industrieprodukte um ein Vielfaches. Einfach im Spätsommer mal eine Kiste gute Tomaten kaufen, sich einen Nachmittag in die Küche stellen und ein paar Gläser einmachen. Es macht viel weniger Arbeit als man denkt und die Gläser halten ewig.

Aber zurück zum Sonntag: Mir schwebte der Einsatz der Passata in Pasta e fagioli vor, also als scharfer Sugo mit Borlotti-Bohnen. In einer Pfanne habe ich nun Knoblauch angebraten, so wie ich es auch für eine arrabiata tun würde. Also ziemlich scharf, sodass er ordentlich Farbe bekommt und vor allem: viel! Vier, fünf große Zehen sollten es für eine Person schon sein.

Gutes Essen braucht Zeit und Zeit hatte ich an diesem Tag genug

Jetzt die Passata dazu, mit Salz, Pfeffer und kräftig Peperoncino würzen bis der Sugo richtig scharf ist. Außerdem habe ich einen Zweig Rosmarin dazugegeben, denn Rosmarin und Hülsenfrüchte verstehen sich in einer Tomatensoße einfach fantastisch (das funktioniert übrigens auch sehr gut mit Kichererbsen). Dann heißt es wieder warten. Gutes Essen braucht Zeit und Zeit hatte ich an diesem Tag genug.

Bei geschlossenem Deckel habe ich die Soße so weit einkochen lassen, bis sie nur noch ein dickflüssiger, zäher Brei war. Tiefrot und würzig, das beste Tomatenmark, das man sich nur vorstellen, aber leider nirgendwo kaufen kann.

Also runter vom Feuer damit und Nudelwasser aufgesetzt, inzwischen waren so viele Stunden vergangen, dass man langsam wirklich ans Essen denken konnte.

Nachdem die Pasta schon etwas gekocht hatte, habe ich die Tomatensoße mit etwas Pastawasser wieder zu einer cremigen Konsistenz verrührt und ein paar Borlotti-Bohnen dazugegeben. Wer frische Bohnen benutzt, sollte sie vorher weichkochen. Wer getrocknete benutzt, muss sie einweichen. Gute Bohnen aus der Dose erfüllen ihren Zweck in diesem Fall aber genauso gut.

Dann die Nudeln dazu und alles zusammen noch etwas kochen lassen bis es eine dickflüssige, sämige Konsistenz hat. Auf dem Teller habe ich dann noch etwas würzigen Pecorino Roncione drüber gerieben, der durch seine mit Stroh bedeckte Rinde dem Gericht noch ein bisschen mehr von seinem rustikalen Charakter gegeben hat.

Es war ein regnerischer und kalter Sonntag, der Herbst war zum ersten Mal spürbar, als ich in ungefähr vier Stunden die besten Pasta e Fagioli meines Lebens kochte.

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