Venezien

Venetien

 

Der Veneto ist vor allem an seinen wasserumspülten Rändern eine gut besuchte Region: im Westen liegt der Gardasee mit seinem milden Mikroklima, im Osten die Lagunen der Adria und Venedig. Entsprechend naheliegend, dass in diesen Gegenden eine ausgeprägte Fisch- und Meeresfrüchteküche vorherrscht und auf den Speisekarten Gerichte mit Muscheln, Stockfisch, Anchovies, Sardinen, Meergrundeln, Lagunenkrebsen und -garnelen stehen. Im Inneren des Landes kocht man deftig, die Dolomiten im Norden und die weiten, von wilden Wäldern durchzogenen Ländereien oberhalb der Po-Ebene haben eine Kultur der Jagd und Viehzucht hervorgebracht. Die Küchentradition setzt auf Innereien, Wild, Würste. Und natürlich auf alles, das die von Dutzenden Flüssen durchkreuzte fruchtbare Po-Ebene an Obst und Gemüse hergibt: insbesondere Risotto-Reis, Spargel, Erbsen. Eine besondere Bedeutung hat in der Region vor allem der Radicchio. Das bittere Gemüse wird hier in unzähligen Varietäten angebaut und in ganz Italien verkauft. Die bekanntesten Sorten finden sich in der Gegend um Treviso und Castelfranco. Aber auch Chioggia hat seine eigene Radicchio-Sorte.

Zwischen Conegliano und Valdobbiadene bei Treviso gedeihen außerdem die Trauben für den weltberühmten Prosecco. Die typische Pasta der Region, die Bigoli, ähneln auf den ersten Blick den Spaghetti, sind aber viel dicker und außerdem mit Ei hergestellt und hin und wieder aus Buchweizenmehl. In Bassano del Grappa wurde der Grappa erfunden und bis heute kultiviert. Im Raum Belluno sind milde Bohnen heimisch, die Fagioli di Lamon. Berühmte Käse sind der Asiago aus der Hochebene von Asiago, und der Monte Veronese aus den Lessinischen Bergen oberhalb von Verona. Er wird häufig zur Füllung von frischer Pasta benutzt.





Überall im Veneto gibt es eine ausgeprägte Aperitivo-Kultur. Die dazu gereichten Chicchette sind kleine Brote, die mit allem belegt werden, was die Region auszeichnet. Insbesondere Fisch, aber auch Käsevariationen sind häufig zu finden.



Dass Österreich und Slowenien in der Nähe sind, ist vor allem im Nordosten an der Grenze zu Friaul-Julisch-Venetien spürbar: hier frittiert man süße Teigspeisen, isst Strudel, Palatschinken, Buchteln.





Dass viele Reisende das venezianische Hinterland bei ihrem Besuch aussparen, ist ein Fehler: Mit seinen fast 4000 Palladio-Villen, viele davon schon halb verfallen, gleicht es einem architektonischen Freileichtmuseum, vor allem entlang der Riviera del Brenta von Venedig bis nach Padua. Aber auch einer der größten Bildhauer des Klassizismus, Antonio Canova, hat in Venetien gelebt und Großes hinterlassen. Nahe des ansonsten ziemlich unspektakulären Ortes Possagno steht ein Pantheon-ähnlicher Tempel, der zugleich des Künstlers eigene Grabkirche ist, außerdem einige Kilometer weiter sein Geburtshaus mit dem dazugehörigem Abguss-Museum – gestaltet von Carlo Scarpa, dessen berühmteste Bauten sich fast alle in der Region finden. Sein Showroom für Olivetti ist in Venedig direkt am Markusplatz zu besichtigen und ganz in der Nähe von Possagno findet sich der im brutalistischen Stil erbaute Friedhof Tomba Brion bei Asolo. Wer modernem Interieur zugetan ist, insbesondere der Kunst des Mosaiks, muss außerdem die Fondazione Bisazza aufsuchen, das Museum liegt etwas versteckt und angeschlossen an die Produktionsstätte der weltbekannten Fliesenfirma bei Vicenza mitten in einem dieser gähnend tristen italienischen Gewerbegebiets-Peripherien. Hier sind nicht nur alle Mosaik- und Fliesenvarianten der Firma aufs Kunstvollste inszeniert, die Fondazione vereint vor allem Fotografien, Arbeiten und Installationen zeitgenössischer Künstler und Künstlerinnen, die in irgendeiner Weise Einfluss auf die ästhetische Historie der Firma Bisazza ausgeübt haben oder ausüben. Schon allein der Parkplatz und das Portal der Fondazione sind das Erlebnis wert.