Pizza vom Balkon

uuni_0001Der neue Ausblick auf den heimischen Balkon

Kaum ein Gericht löst bei mir regelmäßig so viel Freude und auch Frust aus, wie die Pizza. Frust vor allem deshalb, weil das, was man hierzulande als Pizza vorgesetzt bekommt, oft eine Unverschämtheit ist. Nach positiven Ausnahmen muss man leider immer noch angestrengt suchen. Aus einer Reportage über einen neapolitanischen Pizzabäcker habe ich mir mal ein Zitat gemerkt, das ich bis heute als universelle Wahrheit empfinde: “Eine Pizza ist dann gut, wenn man gleich am nächsten Tag wieder eine essen möchte”.

Ich habe nun schon fünf Tage in Folge Pizza gegessen und am liebsten möchte ich es morgen wieder tun. Das liegt vor allem an dem kleinen Ofen, der seit einer Woche auf meinem Balkon steht. Er heißt “Uuni2s“, was zugegebenermaßen ein komischer Name für einen Pizzaofen ist. Er wird mit Holz befeuert. Als ich vor ein paar Monaten zum ersten Mal über ihn las, dachte ich nur: Was das wohl nur für ein Quatsch sein muss. Es weiß doch jeder, dass eine ordentliche Pizza nur in einem ordentlichen Ofen mit großen Holzstücken und extremen Temperaturen gelingen kann. Dass es jahrelanger Übung, Ausbildung und Wissen dafür bedarf und dass dieses einfache Gericht in Wirklichkeit eines der Schwierigsten überhaupt ist. Nicht umsonst ist Pizzabäcker in Italien ein echter Beruf.

Aber ich war neugierig, also bestellte ich mir den Uuni2. Als er nach monatelanger Wartezeit endlich eintraf, war ich überrascht: Er ist aus Edelstahl gefertigt, passt auf einen kleinen Gartentisch und macht tatsächlich einen robusteren Eindruck als ich gedacht hätte. Betrieben wird er mit Holz-Pellets, den Dingern, die man auch in der heimischen Heizung benutzt und die im Prinzip nichts anderes als extrem zusammengepresstes Holz sind. Wenn man einmal rausgefunden hat, wie man ihn richtig einheizt, wird er in weniger als zehn Minuten bis zu 500 Grad heiß.

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Das Abendessen vor…

uuni_0004…während…

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Also habe ich ihn auf dem Balkon aufgebaut und erstmal ein Feuer gemacht. Macht man ja ohnehin viel zu selten. Innerhalb von Minuten riecht die halbe Wohnung (und die Klamotten) nach Lagerfeuer und Sommer und man möchte am liebsten alles nur noch mit lodernden Flammen kochen.

Meine heimischen Pizzaerfahrungen beschränkten sich bisher auf den voll aufgedrehten Gasofen, der nach einer knappen Stunde des Aufheizens immerhin auch knapp 300 Grad erreicht. Wenn man ihn mit einem Stein ausstattet und sich viel Mühe mit dem Hefeteig gibt, kann man damit auch eine halbwegs akzeptable Pizza backen. Mit dem, was man in der Pizzeria bekommt, hat die aber trotzdem nicht das Geringste zu tun. Das ist einfach ein anderes Gericht.

Die erste Pizza im Holzofen ist mir dann erstmal nach zwei Minuten verbrannt. Mit so viel Hitze muss man umgehen können. Die zweite war dann schon besser und was ich nach ein paar Tagen aus den Flammen zog, kann sich tatsächlich schon mit guten Pizzerien der Stadt messen. Obendrein macht das Backen unglaublich viel Spaß, geht irre schnell und ist wahnsinnig befriedigend.

uuni_0006… und nach der Reise in die Flammen.

Nach ein paar Experimenten habe ich den für mich idealen Pizzateig gefunden und der tägliche Ansatz um die Mittagszeit ist schon zu einem kleinen Ritual geworden. Ich benutze dafür eine Mischung aus Manitoba– und 00-Mehl (insgesamt 250 Gramm) ein halbes Päckchen Trockenhefe, ca. 140 ml Wasser und etwas Öl und Salz. Zunächst rühre ich ein paar Löffel Manitoba mit der Hefe und warmem Wasser an und lasse es eine halbe Stunde stehen. Wenn dieser Vorteig oder Starter schon kräftig Blasen wirft, wird er mit den restlichen Zutaten in der Maschine vermischt, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Nach einer Stunde Gehzeit knete ich ihn nochmal kräftig mit der Hand durch und lasse ihn dann bis zum Abend (also mindestens drei, vier Stunden) an einem warmen Ort aufgehen. Die Menge reicht für zwei bis drei Pizzen, also für ein veritables Abendessen. Ich belege den Teig mit etwas Passata, Büffelmozzarella und Olivenöl. Es braucht weder Gewürze noch tagelang eingekochte Tomatensoßen oder verrückte Käsesorten für eine gute Pizza. Das macht wirklich alles nur die Temperatur.

Dann für eine knappe Minute auf den heißen Steinboden ins Feuer, einmal drehen und nochmal so lange in die Nähe der Flammen damit. Fertig.

Der Geschmack ist unvergleichlich: Luftig, leicht, rauchig, knusprig. Alle Eigenschaften, die man der Pizza gemeinhin zuschreibt, lassen sich wiederfinden. Es ist eines der schönsten und am schnellsten gemachten Gerichte und ich kann nicht genug davon bekommen. Und ich muss dafür noch nichtmal den Herd einschalten. Ich mag die Vorstellung, nur mit Feuer zu kochen, die Flammen richtig zu dosieren. Und dabei habe ich noch gar nicht an die Focaccias, Brote und Gemüse gedacht, die in Zukunft aus diesem kleinen Ding holen werde.

Jedem, der mit dem Gedanken spielt, sich so einen Ofen zu kaufen, kann ich nur sagen: Macht das. Er ergänzt eure Küche und an manchen Tagen ersetzt er sie sogar.

Vielen Dank an den Hersteller, dass er uns den Ofen zur Verfügung gestellt hat.

7 Kommentare

  • Toller Artikel!
    Dieser Uuni 2s beschäftigt mich seit Tagen und spätestens jetzt nachdem ich deinen Artikel gelesen habe, müsste ich mir eigentlich sofort einen ordern!
    Man muss ja doch ein wenig ein Gefühl dafür bekommen was Handling und Temperatur angeht, sodass die Pizza nicht mit schwarzen Stellen heraus kommt, aber wie schaut die Unterseite der Pizza eigentlich aus? Hatte einige Bilder im Web gesehen wo die Pizza einwandfrei gebacken war, der Boden allerdings einige verbrannte stellen hatte.
    Bekommt man das in den Griff?

    Welche Pellets nutzt du für den Uuni 2s?

    • Hallo Basti,

      nach fast einem Jahr mit dem Ofen kann ich wirklich mit bestem Gewissen sagen: Der Uuni ist ein durchweg ausgereiftes Produkt, das viel Spaß macht. Wir haben in den letzten Monaten, egal ob Sommer oder Winter, unzählige Male damit gebacken (auch Focaccia auf dem Blech und sowas) und sind jedes Mal wieder begeistert von den Resultaten. Klar muss man den Umgang lernen. Wenn man nicht aufpasst, geht einem auch manchmal das Feuer aus oder es verbrennt sofort alles. Nicht umsonst ist Pizzabäcker in Italien ein sehr angesehener Ausbildungsberuf. Mit ein bisschen Übung und Erfahrung kriegt man aber trotzdem Ergebnisse hin, von denen man im normalen Haushaltsofen nur träumen könnte und die es mit Leichtigkeit mit so mancher deutscher Pizzeria aufnehmen können.
      Das Backen im Holzofen geht schnell, kostet fast nichts und macht wahnsinnig viel Spaß. Ich würde ihn jederzeit kaufen und weiterempfehlen.

      Der Boden der Pizza wird fantastisch, wenn man dem Ofen vorher genug Zeit lässt aufzuheizen. Dann bekommt nämlich der Stein genug Temperatur, die er dann von unten an den Teig abgibt, während die Flammen von oben den Rest erledigen. Ist der Stein nicht warm genug, muss die Pizza zu lange im Ofen bleiben und kann verbrennen. Ein paar schwarze Stellen sind natürlich immer dabei und ja auch erwünscht. Die klassische Pizza napolitana muss ja sogar diese Stellen haben.

      Ich bestelle die Pellets im Internet. Es gibt verschiedene Versender, die Holz in Lebensmittelqualität anbieten. Normalerweise benutzt man das wohl zum Grillen. Es gibt sogar verschiedene Holzsorten, die angeblich unterschiedlichen Geschmack geben. Ich habe davon aber bisher nicht wirklich was gemerkt. Ein 9 Kilo Sack kostet 15 Euro und hält ewig.

      Wie gesagt: Von meiner Seite aus eine absolute Empfehlung.

  • Hallo Georg,

    danke sehr für deine Antwort! :-)

    Ich konnte gestern nicht genug von diesem Thema bekommen und habe ein Youtube-Video nach dem anderen geschaut in dem es um die Pizza Napolitana geht… und schau mal was ich durch Zufall entdeckt und wen ich sofort erkannt habe nachdem ich deinen verlinkten Artikel gelesen habe: https://www.youtube.com/watch?v=B4buHfr98rE&t=5s
    Carmine! Was für ein Zufall…

    Das klingt alles fantastisch was du da über diese Höllenmaschine erzählst und ich musste gestern unbedingt zu unserem Italiener um die Ecke fahren um eine Pizza aus dem Holzofen zu holen. Der Einzigste weit und breit hier bei uns mit so einem Ofen – dennoch reizt mich dieses Mini-Öflein und die Kunst der Pizza Napolitana sehr, das Ganze einmal selbst zu testen.

    Gibt es auch Bilder von euren anderen Versuchen mit dem Uuni 2s? Wäre sehr interessant wenn ihr drüber mit Bildern berichten würdet. Habt ihr das Pfännchen mal getestet? Kann mir vorstellen, der Uuni 2s könnte das Steak wie ein Beefer mit einer schönen Kruste versehen.

    Bzgl. der Pellets, welche Holzsorte nehmt ihr? Buche? Dinge wie Kirschholz zum Smoken usw. sind mir durch die Grillerei bekannt, je nach Fleisch eignet sich hier eher ein leichtes (Kirsch) oder eher intensiveres Aroma (Mesquide). Bei der Pizza würde ich glaub zu Buche greifen.

    Heute ist ideales Wetter für den Uuni 2s – die Lust auf das Ding steigt und steigt. Muss nur noch meine bessere Hälfte davon überzeugen…

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