Auberginen

Weiße Auberginen

Kleine weiße Auberginen – wann sieht man die schon mal? Nie. Außer neulich. Am besten macht man ihnen zu Ehren gleich ein Aperitivo-Fest, auch wenn man der einzige Gast auf diesem Fest ist.

Von Mercedes Lauenstein

Ich gehe gern einkaufen, aber eine gute Einkäuferin bin ich nicht. Ich kann mich nie entscheiden, was ich nehmen will und mein Appetit ist auch kein verlässlicher Indikator, denn genau der ist das Problem: Ich habe eigentlich immer auf alles Appetit.

Umso besser, wenn ich mal etwas in den Auslagen sehe, das ich selten in den Auslagen sehe und das in mir die Angst weckt, es zu verpassen, wenn ich es nicht sofort kaufe. Mit der Angst kriegt man mich immer.

Kleine weiße Auberginen zum Beispiel – wann sieht man die schon mal? Genau: Nie. Außer neulich. Und schon waren sie mein.

 

Wie kleines Gemüse so ist, möchte es möglichst im Ganzen in den Mund geworfen werden

 

Wie kleines Gemüse so ist, möchte es möglichst im Ganzen in den Mund geworfen werden. Nachmittags um halb sechs, zu einer Zeit, zu der niemand mehr arbeiten, sondern alle Aperitivo machen wollen und das auch dringend tun sollten. Erstens, um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken, zweitens, um dem Körper klar zu machen, dass er es jetzt gut hat, und drittens um sich überhaupt hinzusetzen und ein bisschen zu freuen, ganz egal, was vorher war oder nachher sein wird.

Es ist sehr leicht: Die Auberginen in der Mitte bis kurz vorm Strunk einschneiden und von innen salzen. Man muss jetzt wissen, dass kleine weiße Auberginen eigentlich nicht wahnsinnig geschmacksintensiv sind. Sie sind sehr viel milder als ihre violetten oder schwarzen Cousinen und Cousins, aber dafür haben sie eine viel feinere, leichtere, lockere Konsistenz.  In jedem Fall verdienen sie eine würzige Begleitung in Form einer Füllung und einem kleinen Sugospiegel.

Für den Soßenspiegel eine halbe Zwiebel und ein Lorbeerblatt in einem kleinen Topf in Olivenöl und ein klein wenig Butter hellbraun braten, Lorbeerblatt entfernen, Passata in die Pfanne geben, pfeffern, salzen, mit Deckel 15 Minuten köcheln lassen, Zwiebel entfernen, weiterköcheln lassen.

 

Aus Semmelbröseln, Olivenöl, geriebenem Pecorino, Basilikum und gehacktem Knoblauch eine Füllung für die Auberginen anmischen

 

Aus Semmelbröseln, Olivenöl, geriebenem Pecorino, Basilikum und gehacktem Knoblauch eine Füllung für die Auberginen anmischen, abschmecken, zwischen die ja schon gesalzenen Auberginenhälften geben und mit einem Zahnstocher fixieren. Wahrscheinlich haben die Auberginen in der Zwischenzeit ein wenig Wasser abgegeben, das sollte man natürlich vorher abgießen und die Auberginen dann eventuell noch einmal etwas nachsalzen.

Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, ein wenig Chili anbraten, dann die Auberginen dazu geben und geduldig auf jeder Seite so lange braten, bis sie butterweich sind und die Füllung kross und braun gebraten ist.

Auf einem Sugospiegel anrichten, Drink mischen (in der Zeit kühlen sich die Auberginen von zu heiß zum Essen auf lauwarm ab) und aufessen. Ganz allein geht das natürlich auch hervorragend, weil allein essen ganz und gar zu Unrecht ein trauriges Image hat – aber in Gesellschaft geht es vielleicht noch ein kleines bisschen besser, weil man bei einem Essen wie diesem so schön plappern kann.

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