Rosenkohl im Ofen

Die Rosen des Kohls

Nur 400 Gramm Rosenkohl pro Kopf und Jahr verzehren die Deutschen angeblich. Was für ein Versäumnis! Ein Rezept für mehr Rosenkohl-Respekt.

Von Mercedes Lauenstein

Ich weiß nicht, wer dafür zuständig ist, dass ein Lebensmittel zum Trendfood wird und ich lehne das Konzept von Trendfood normalerweise auch vollständig ab, aber in diesem Fall hätte ich eine Ausnahme und einen Vorschlag zu machen: Rosenkohl. 

Auf der Suche nach Rosenkohlröschen, die des Kaufes würdig sind, ereilt mich zuverlässig der alte Wunsch, einen eigenen Garten zu besitzen. Denn die Exemplare in den Läden und auf den Märkten sind in bester Rosenkohlsaison zwischen November und Januar entweder kümmerlich oder nicht vorhanden. Woran liegt das?

 

Die Rosenkohl-Exemplare in den Läden und auf den Märkten sind in bester Rosenkohlsaison zwischen November und Januar entweder kümmerlich oder nicht vorhanden

 

Der Großteil des europäischen Rosenkohls wird in den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich angebaut. In Deutschland werden laut dieser Statistik angeblich nur 400 Gramm Rosenkohl pro Mensch pro Jahr verzehrt. Lediglich in der Saison 2009/2010 soll er auf ganze 600 Gramm gestiegen sein. Was war geschehen? Hatte die Helene Fischer der Saison 2009/2010 öffentlich von ihrer Liebe zum Rosenkohl berichtet? Wer war die Helene Fischer der Saison 2009/2010? Fragen über Fragen. Andernorts ist zu lesen, die Ablehnung der bitteren Phenylthiocarbamide sei sogar genetisch bedingt. 

Ich finde, wir alle sollten ihm eine zweite Chance geben. Und ihn dafür vielleicht nicht gleich in Béchamelsauce ertränken, sondern es mal etwas lässiger angehen.

Zum Beispiel so: Ofen auf 200 Grad vorheizen. Rosenkohl waschen, abtropfen lassen und halbiert auf ein Blech geben. Salz und  Olivenöl dazu, durchmischen. Wer Sehnsucht nach Speck hat, gebe noch etwas kleingeschnittene Guanciale dazu.




Etwa 20 Minuten rösten, bis die Röschen innen zart, aber noch leicht bissfest sind und die äußeren Blätter beginnen, knusprig und dunkel zu werden. Falls das auf sich warten lässt, kurz den Grill einschalten.

Aus dem Ofen nehmen und noch etwas Olivenöl und einen süßen und kräftigen Aceto Balsamico di Modena invecchiato darüber geben. Die Qualität des Balsamicos ist entscheidend, er sollte so alt sein, dass er gut eingedickt und sehr süß geworden ist.

Wer so einen nicht da hat, kocht etwas von seinem dünnflüssigeren Balsamico mit einem großen Esslöffel Honig auf, bis er einzudicken beginnt. Gut durchmischen. Dann gehackte, geröstete Salzpistazien, Salzmandeln oder geröstete Pinienkerne drüber streuen, Zitronenabrieb und kräftig Parmigiano Reggiano. Schmeckt auch am nächsten Tag kalt sehr gut – möglicherweise fast besser.