Tomatensauce nach Marcella Hazan

Die Tomatensoße

Man muss für diese Soße nichts hacken, nichts anbraten, nichts in irgendeiner Reihenfolge irgendwo reingeben. Sie kommt immer gut. Am besten aber kommt sie, wenn man Trost braucht.

Von Mercedes Lauenstein

Meine neueste Entdeckung in Sachen Tomatensoße: Die mit Butter und Zwiebeln von Marcella Hazan. Ich musste das Rezept fünf Mal lesen, weil ich immer glaubte, etwas übersehen oder überlesen zu haben. Es kam mir viel zu einfach vor. Aber ich hatte alles richtig gelesen. Man muss für diese Soße fast nichts tun. Wenn Kinder in Freundschaftsbücher schreiben, dass ihr Lieblingsessen Nudeln mit Tomatensoße ist, dann meinen sie nicht Pici all’aglione, nicht Penne Arrabiata, nicht Spaghetti Bolognese, nicht Spaghetti Napoli oder irgendeine anderen Nudeln mit Tomatensoße-Variante, nein, dann meinen sie genau diese Soße und keine andere. Vielleicht wissen sie es nicht immer, aber es ist so, ich bin mir ganz sicher.

 

Man muss für diese Tomatensoße nichts hacken, nichts anbraten, nichts in irgendeiner Reihenfolge irgendwo reingeben

 

Man muss für diese Soße nichts hacken, nichts anbraten, nichts in irgendeiner Reihenfolge irgendwo reingeben. Hazan selbst schreibt in ihrem Kochbuch darüber: „Dies ist die einfachste Soße von allen, keine andere schmeckt so rein und unwiderstehlich. Ich kenne Leute, die auf die Pasta verzichten und die Soße mit einem Löffel direkt aus dem Topf essen.“

Sie kommt immer gut. Am besten aber kommt sie, wenn man Trost braucht. An verregneten Sonntagabenden, nach langen, aufreibenden Reisen, an Katertagen. Und am allerbesten macht sie sich eigentlich, wenn man sie sich nicht selbst macht, sondern wenn man sie gemacht bekommt oder für jemanden macht, der Trost braucht.


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Sie kommt immer gut. Am besten aber kommt sie, wenn man Trost braucht

 

Hier eine Anleitung: Die traurige Person anrufen und sagen, dass man alles im Griff hat und gleich vorbeikommt. In den Supermarkt gehen und folgendes kaufen: 500 g geschnittene San Marzano Tomaten in der Dose, eine mittelgroße Zwiebel, 500 g Spaghetti (Hazan sagt, am besten ginge diese Soße mit Kartoffengnocchi, aber Spaghetti, Penne oder Rigatoni seien genauso gut), Parmigiano Reggiano, Butter. Zur der Person fahren. Ihr sagen, dass nichts so kompliziert und schlimm ist, wie es scheint. In die Küche gehen. Tomaten in einen Topf geben, Zwiebel häuten und halbieren, mit Salz und etwas mehr als einem Viertel des Butterstücks zu den Tomaten geben. Im offenen Topf 45 Minuten alles zusammen schwach köcheln lassen, bis das Fett sich von den Tomaten absetzt, ab und zu umrühren. Spaghetti kochen. Warten. Währenddessen eine Flasche Rotwein aufmachen und in Ruhe ein Glas trinken. Der leidenden Person auch eines hinstellen. Parmigiano Reggiano reiben. Zwiebelhälften aus der Tomatensoße entfernen. Fertig gekochte Spaghetti abgießen und in die Soße geben. Auf dem Teller anrichten. Parmigiano Reggiano drüber. Servieren, vielleicht einen Film anmachen, Freunde sein.