Focaccio di Recco

Focaccia di Recco

Wer dieses Gericht einmal im Original gegessen hat und nicht in Ligurien lebt, kann nicht anders, als es zu Hause nachzumachen versuchen.

Von Mercedes Lauenstein

Was man auf diesem Bild sieht, ist der meines Erachtens nicht allzu schlecht gelungene Versuch, eine Focaccia di Recco herzustellen. Allerdings möchte ich darauf nicht bestehen, denn die Focaccia di Recco ist ein von einem eigenen Consorzio geschützes Gericht. Aber wer dieses Gericht einmal gegessen hat und nicht in Ligurien lebt, kann halt nicht anders, als es nachzumachen versuchen.

Ich schwöre, es geht gleich mit dem Rezept los, aber erst muss ich noch kurz erzählen, wo mir die Focaccia di Recco zum ersten Mal begegnet ist: In einem iper La Grande Supermarkt nahe Como. Dieser besondere iper La Grande in dem Ort Grandate MUSS erwähnt werden, denn es ist einer der besten Supermärkte Norditaliens. Dort gibt es alles. In jeweils viertausend Varianten. Außerdem gibt es in der Mitte des Ladens, wie in den meisten großen Supermärkten Italiens, eine Pizzatheke mit einem riesigen Holzofen, aus dem im Minutentakt blasenschlagende Wahnsinnspizzen und – focaccen geholt werden, die man für Einsfuffzich bis Zweifuffzich das Stück direkt auf die Hand kriegt. Man möchte schließlich beim Einkaufen nicht verhungern. Man möchte ja über das, was man einkaufen möchte, etwas meditieren dürfen. Man möchte ja einfach mal kurz pausieren und sich dabei was Exzellentes in den Mund schieben und so die anderen Leute beim Einkaufen oder Pause machen noch gemütlicher anschauen können. Man möchte ja Zeit haben im Leben.


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Aber jetzt zur Zubereitung:

Man bereite einen Pizzateig fast, aber auch nur fast, wie hier beschrieben mit Olivenöl, Wasser und Salz zu. Wichtig: OHNE Hefe. Manitoba-Mehl macht sich dabei übrigens am besten. Man stelle Crescenza bereit, einen italienischen Weichkäse, den man auch unter dem Namen Stracchino kennt. Man lasse ihn etwa 30 bis 45 Minuten in einer Schüssel mit einem Handtuch abgedeckt ruhen. Dann rolle oder wer kann, schleudere daraus zwei Pizzaböden so dünn aus, wie es nur irgendwie geht. Je dünner, desto besser. Dann klackse man den Crescenza fleckenweise auf einen der beiden Teige, so dass lauter walnussgroße Häufchen auf dem Teig verteilt sind. Dann lege man den zweiten Boden vorsichtig darauf. Jetzt hat man eine kleine Hügellandschaft aus Teig vor sich. Noch einmal etwas, oder auch einfach sehr viel Olivenöl darauf und ab in den Ofen, wo man sie bei zwischen 270 und 320 Grad für 4 bis 8 Minuten auf dem nackten Stein backt.


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Man nehme sie heraus, schneide sie auf, weine vor Glück bei dem Anblick, wie der Crescenza zwischen den zarten Teighälften zerfließt und esse alles auf. Ein Glas junger und leichter und im besten Fall ligurischer Rotwein dazu oder ein kaltes Bier und man weiß wieder, warum man auf der Welt ist.