Penne alla vodka

Italoamerikanische Gefühle? Jederzeit! Mit dem legendären Achtzigerjahre-Gericht Penne alla vodka.

Von Mercedes Lauenstein

Penne alla vodka! Willkommen in den Achtzigern. Nur: In welchen? Den italienischen? Den amerikanischen? Zur Frage „Weltberühmte Rezepte, wer sie erfunden hat und wer sie wirklich erfunden hat (oder wieviele Menschen gleichzeitig)“ könnte man eine eigene Lexikonreihe ins Leben rufen, siehe Insalata russa.

Was die Penne alla vodka angeht, ist nur klar, dass sie in den Achtzigern weltberühmt wurden. In New York proklamieren gleich zwei Parteien die Urheberschaft – ein Restaurant und ein ehemaliger Student an der Columbia University. In Rom will sie etwa zeitgleich ein italienischer Koch auf Wunsch eines Wodkaherstellers erfunden haben, um Wodka in Italien populärer zu machen. Und dann gibt es noch die Trattoria „Da Dante“ in Bologna, die die eigentliche Geburtsstätte des Gericht sein soll.

 

Penne alla vodka: Italienisch, amerikanisch, italoamerikanisch?

 

Für eine zumindest italoamerikanische Kooperation könnte die Sahne sprechen, deren Einsatz in italienischen Pastasoßen eher unüblich ist. Andererseits gibt es Ausnahmen, zum Beispiel die Tortelli alla Panna. Und die kommen ausgerechnet aus Bologna – genau wie übrigens auch die Pancetta. Also doch Bologna?

Ein anderes Mysterium ist die Frage, inwiefern der Wodka darin tatsächlich irgendeine Funktion hat, außer dem Gericht qua seines Namens etwas Frivolität und Dancefloor-Vibes zu verleihen. Denn einerseits gilt Alkohol als Geschmacksträger, andererseits verkocht er bei Hitze, und im Gegensatz zu Wein verbleibt von Wodka dabei nicht einmal Eigenaroma zurück. Eine halbwegs einleuchtende Erklärung lautet: Die Ethanole verstärken den Eigengeschmack der Tomate, indem sie unzugänglichere Aromen aus der Tomate lösen. Außerdem dient der Alkohol als Emulgator, der verhindert, dass die Säure der Tomaten das Fett der Sahne ausflocken lassen könnte.

 

So geht’s:

 

Wie dem auch sei, machen wir uns an das Wichtigste: den Praxistest.

Die klein gewürfelte Pancetta in der Pfanne anrösten. Das Fett in der Pfanne lassen, die knusprige Pancetta vorerst beiseite stellen. Weiße Zwiebeln fein hacken und mit etwas Olivenöl zum ausgelassenen Pancetta-Fett geben. Auch den frisch geschnittenen Peperoncino dazugeben – sparsam. Sanft braten, bis die Zwiebeln glasig sind. Sie sollen keine Farbe bekommen.

Mit einem sehr großzügigen Schuss Wodka ablöschen (ein randvolles Schnapsglas pro Person), dann sofort die Tomatenpassata hinzufügen und schließlich die Sahne. Wieviel Sahne? Soviel, bis die Tomatensoße die Farbe von Cocktailsauce angenommen hat. Auch die Pancetta jetzt unterrühren. Mit Salz abschmecken und so lange köcheln lassen, bis eine angenehm cremige, sämige Konsistenz entstanden ist.

Währenddessen die Penne al dente kochen, abgießen, einen großen Schluck des stärkehaltigen Pastakochwasser aufheben und gemeinsam mit den Penne zu dem Sugo in die Pfanne geben. Eine Minute durchschwenken, bis sich alles gut verbunden hat und servieren.