Broccolo Fiolaro

Broccolo Fiolaro

In Vicenza wird um diese Jahreszeit der Broccolo Fiolaro gefeiert und selbst berühmte Sterneköche reisen an um mit dem winterlichen Kraut zu kochen.

Von Juri Gottschall

Brokkoli spielt in der italienischen Küche besonders im Winter eine wesentliche Rolle. Im Süden erntet man die inzwischen auch in Deutschland immer bekannter werdende Cima di rapa. Die Blätter und Stängel der blühenden, wilden Brokkolistaude ergeben zusammen mit Knoblauch, Orecchiette, Peperoncino, Sardellen und viel Olivenöl so etwas wie das Nationalgericht Apuliens.

Im Norden hingegen wird der Broccoletto di Custoza angebaut. Das ist eine ebenfalls mit dem uns bekannten Brokkoli (der in Italien übrigens grundsätzlich Broccoletti heißt) verwandte Staude. Sie gleicht in ihrer Erscheinung eher großen Spinatblättern. Und findet sich vor allem rund um Verona in der Füllung zahlreicher Tortellini-Varianten, meist zusammen mit der ebenfalls dort heimischen Käsesorte Monte Veronese.

Broccolo Fiolaro

Der unter Sterneköchen heiß begehrte Broccolo Fiolaro

Ein paar Kilometer weiter östlich wird zwischen Dezember und Februar der Broccolo Fiolaro gefeiert. Der große Kopf, der auf den ersten Blick mit den Puntarelle (ebenfalls ein fantastisches Wintergemüse) verwechselt werden könnte, wächst auf den Feldern rund um Vicenza. Es handelt sich hierbei um eine Seltenheit, für die selbst berühmte Sterneköche nach Vicenza bzw. in die Gemeinde Creazzo reisen. Seine zarten Triebe schmecken eher süßlich als kohlig und sind doch außerordentlich würzig. Außerdem werden dem begehrten Kohl zahlreiche gesundheitsfördernde Eigenschaften nachgesagt.

Broccolo Fiolaro, eine Spezialität aus Vicenza

Nur manchmal findet der Broccolo Fiolaro seinen Weg bis nach Deutschland. Dort habe ich ihn vor ein paar Tagen im Obst und Gemüseladen von Feinkost Spina im Euroindustriepark gekauft. Um ihn möglichst pur zu genießen, habe ich – nach einiger Recherche zur optimalen Verarbeitung von Broccolo Fiolaro – eine einfache  Suppe daraus gemacht. Normalerweise mag ich keine Suppen. Aber diese hier ähnelt, genau wie die toskanische Ribollita, eher einem Gemüseeintopf oder einem Risotto. Und das kann an kalten Wintertagen die befriedigendste Mahlzeit überhaupt sein.

Serviert in einer Suppe mit Kartoffeln, Zwiebeln und Reis

Ich koche in Stücke geschnittene Kartoffeln, Zwiebeln und den Broccolo solange in Salzwasser bis das Gemüse gar ist. Dann gebe ich Risotto-Reis hinzu und lasse alles nochmal so lange köcheln, bis der Reis eine bissfeste Konsistenz angenommen hat und eine dicke Suppe bzw. ein dünnes Risotto entstanden ist.

Die Konsistenz lässt sich durch die hinzugegebene Menge an Reis gut dosieren. Dann wird gesalzen und gepfeffert und auf dem Teller (bzw. eher in der Schale) reichlich kräftiges Olivenöl und Parmigiano Reggiano darübergegeben. In Vicenza benutzt man natürlich Grana, das ist eine Sache des regionalen Stolzes. Mehr braucht es nicht, der Geschmack des Gemüses ist kräftig genug.